Glück

Freitag, 27. Januar 2012 3:02

Der Körper sagt: Du bist glücklich. Und dann bin ich es. Ich kann nicht tanzen, aber vorgestern tanzte ich ausgelassen durch meine Wohnung und konnte gar nicht mehr aufhören.  Es war ein Feuerwerk der Gefühlserregungen. Es hielt über eine Stunde an. Der Körper kann so genial manipulieren. Wer braucht schon Drogen, wenn es so geil ist man selbst sein zu können?
Ich hatte an dem Tag eine Struktur zur Außenwelt hin abgeschnitten, die mir nicht bekam. Es ging mir augenblicklich besser.
Ich lasse mir schon länger nicht mehr sagen, wie Glück auszuschauen hat, was es zu sein hat, wonach ich mich ausrichten, wonach ich suchen muss. Ich mache mir mein eigenes Glück, erschaffe mir meine eigenen Strukturen.

Ich finde ein Abseits der Menschenwelt (sofern es sowas überhaupt noch gibt, was sehr sehr fraglich ist) faszinierend. Wandern durch Wälder und Berge.  Nicht dass ich es bisher großartig praktiziert habe, aber es zieht mich dahin. Wenn ich morgens das Fenster aufmache und ich höre einen Vogel zwitschern (der glückliche hat wohl noch einen Baum gefunden?), dann ist das nur schwer zu übertrumpfen. Dieser Augenblick ist so beruhigend.  Die Menschenwelt dagegen ist selbstauferlegter Stress. Die Menschen gefangen in ihren Selbstverständlichkeiten die gerade nicht selbstverständlich sind.
Manche Augenblicke sind schöner, wenn sie geteilt werden können. Aber Menschen mit ähnlichen Ausrichtungen zu finden sind bekanntlich rar gesät und umso mehr, wenn nach ihnen nicht Ausschau gehalten wird. Spazieren gehen allein ist schon schön, aber spazieren gehen durch Wälder ist schon schöner, wenn sich dabei ausgetauscht werden kann und es etwas auszutauschen gibt, sprich der andere auch Gedanken hat, die interessieren. Aber das ist so ein Gedanke, der sich heimlich eingeschlichen hat. Vordergründig geht es um den Augenblick der überschüttenden bzw. ausschüttenden Glücksgefühle. Glück ist natürlich ein zwiespältiges Wort, aber um den Text abzukürzen habe ich es einfach verwendet.  Ich war in dem Augenblick so ausgelassen wie schon lange nicht mehr. Heute ist die Kurve wieder etwas eingebrochen, weil die Außenwelt abermals versucht sich ihren Weg zu bahnen und zu ruinieren. Aber es gilt sich davon nicht irritieren zu lassen. Die Themen der anderen Menschen nicht zu den eigenen zu machen (es sei es kann ihnen zugestimmt werden). Eben weiter an seinen eigenen Strukturen bauen. Wenn gewusst wird, was einen gut tut und was nicht, warum sich dann dem letzteren zuwenden?

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fragil

Mittwoch, 25. Januar 2012 1:49

Die Fragilität Mensch zu sein, wird oft genug verdrängt und bricht doch immer wieder hervor. Gestern habe ich mich über Menschen aufregen müssen und noch viel mehr über mich, dass ich mich über andere aufregte, es zuließ.  Die Aufregung war innerlich, nicht entäußert. Ich blieb ruhig, mein Körper reagierte für mich.  Ich bekam ziemlich harte Herzschmerzen über einen längeren Zeitraum, musste mich teilweise niederlegen, weil nichts mehr ging. Ich lasse mich noch zu sehr von Nichtigkeiten und Dummheiten anderer Menschen infizieren. Aber wenn sie einen damit belästigen, zu Nahe rücken, sie einen zur Konfrontation nötigen, ist es schwer all das nicht an sich heranzulassen.  Es ging nicht einmal um Menschen, die ich kannte, es waren abstrakte Personen und unwichtige Menschenweltthemen (Internetanbieter, der mich versucht abzuziehen. Die Auseinandersetzung frisst wertvolle Daseinszeit und Nerven).

Ich muss sehr auf mich achten, mir stets meinen eigenen Lebensrhythmus ermöglichen, den in den Rhythmen der anderen Menschen bin ich überwiegend nicht existenzfähig.

In der freien Wildlaufbahn, vor tausenden von Jahren, wäre ich nie 29 geworden. Mich würden zu viele Daseinsabläufe ärgern, ich sie als albern einstufen, ja gar als dumm oder Wahnsinn.  Und rein praktisch gesehen hätte ich natürlich auch wenig Durchblick gehabt, wie ich mich selbst ernähren soll. Allerdings darf da nicht das Jetzt zum Maßstab genommen werden, denn ich wäre ja anders aufgewachsen, hätte anderes erfahren, wüsste wie es gilt in der Umwelt zu überleben. Ob das dann gelingt hängt nicht nur von einem selber ab, auch vom berüchtigten Zufall.

Heute ist mein Herz immer noch unruhig, es spielen da sicherlich auch noch andere Faktoren rein. Unsicherheit belastet mich immer enorm. Das ganze Leben ist Unsicherheit, folglich hat mein Herz einiges zu verarbeiten und schafft es nicht immer. Gegen einen Herztod ist prinzipiell nichts einzuwenden (es gibt unangenehmere Wege aus dem  Menschsein zu scheiden), sofern es schnell und augenblicklich geschieht (also in dem Augenblick dann, nicht unbedingt jetzt). Ich war gestern vor der Angelegenheit so ruhig und entspannt, aber kaum komme ich mit dem Menschenweltwahnsinn in Berührung ruiniert das einem mit unter alles, manchmal auch den Körper.

Wenn sterben dann aber bitte erst nach dem ich das Buch erstellt habe. Allein aus Prinzip. 2 Jahre Arbeit (gedanklich) sollen nicht umsonst gewesen sein. Natürlich ist es die Arbeit ohnehin, aber ich denke es ist klar, was ich meine.

Ich reagier allergisch auf Dummheit, damit allergisch auf viele Menschen und manchmal auch allergisch auf mich selber.  Denn ich bin nicht fern der Dummheit und es stört mich, wenn ich sie in mir selber wiederfinde.  Und das fängt schon damit an, wenn ich den Stress anderer Menschen annehme und ihm zu meinen machen, mich anstecken lasse von ihren Themen.

Die intensiven Herzschmerzen gestern haben mir auch erneut gezeigt, wie wichtig es für mich ist, mich nicht daran zu stören, was andere von meinen Lebensweg halten.  Denn wäre ich nicht meine Wege gegangen, wäre ich vermutlich gar nicht mehr da. Allein aus Selbsterhalt ist mir daran gelegen, mich nicht zu sehr im Menschenweltwahnsinn zu verstricken, aber das ist ja leider nicht immer möglich. Ich weiß, was ich zu umgehen habe, was mir schadet. Leider umgeht es mich deswegen noch lange nicht und schadet mir.

Vor einigen Jahren hatte ich schon mal eine Phase mit viel realem Druck auf dem Herzen, kaum hatte ich mich von gewissen Menschenweltstrukturen freigemacht, war ich plötzlich „gesundet“. Der Körper war also mehr geistig erschöpft, nicht wirklich angeschlagen. Aber irgendwann ist er es bzw. auch dieses weiterreichen des gedanklichen Stresses an den Körper kann sich irgendeinmal richtig äußern, also nicht Halt machen. Außerdem ist der gedankliche Teil natürlich auch Körper usw. aber das ist nun nicht das Thema. Was ist das Thema? Vielleicht, dass es manchmal schön sein kann Da zu sein, wenn die Daseinsstrukturen nicht wären, wie sie eben sind. Was natürlich ein Widerspruch ist. Aber ich mag es nur Da zu sein, nicht die Implikation daraus (unter anderem irgendwann nicht mehr da zu sein bzw. nicht mehr Wahrnehmungs-Sein zu sein, und eben noch viel mehr die Schändungen die das Da zu sein mit sich bringt, aktiv es hervorzurufen wie in der Erleidung.)

Ich war heute in der Universitätsbibliothek, ein längerer Spaziergang (zu Fuß 35 bis 40 Minuten) und es macht Spaß wahllos umherzuschlendern, zu sehen wohin es einen treibt, welches Buch einem in die Hand fällt und zusagt.  Mich interessiert, reizt immer so viel, ich könnte hunderte Jahre lesen. Aber die Zeit ist begrenzt, jetzt erst Recht.  Wobei meine Lesemotivation auch von den Büchern abhängt. Neulich las ich Gaston Bachelard und ich hatte das Bedürfnis nie wieder ein Buch anzufassen, dann las ich Schopenhauers Briefe oder Kants Kritik der reinen Vernunft und man möchte gleich ewig lesen. Obwohl gerade bei Kant viel Widerspruch vorliegt, aber er schreibt so angenehm und der Widerspruch den man entwickelt ist so fruchtbar, dass es eine gewinnbringende Leselektüre ist. Oder wenn man Luhmann liest und auf einen interessanten Gedanken stößt. Wo von er so einige zu bieten hat. Es gibt Bücher durch die muss man sich durch quälen und dann ist da ein Gedanke der alles entschädigt. Dann gibt es Bücher, die fesseln auf jeder Seite. Dann gibt es Bücher die haben paar Gedanken, aber nicht so berauschende, und der Rest ist Qual, es hat sich nicht wirklich gelohnt. Die ganz schlechten Bücher erreichen mich ja erst gar nicht mehr, weil ich inzwischen natürlich weiß, was mich anspricht, wo wahrscheinlich Gedankenanregungen anzutreffen sind. Und man gewinnt Querverweise dazu, entnimmt anderen Texten, welche Texte noch lesbar sind usw.

Ich könnte auch hundert Jahre die Welt anschauen, so ist es nicht. So lange ich nicht gerade Menschen anschauen muss, wie sie sich gegenseitig das Leben schwer machen, hat es seine Reize. Wobei natürlich auch die Natur grausam ist und das nicht schön geredet werden darf. Ich will verdeutlichen, wie wenig festgelegt ich bin. Mich interessiert so viel, aus allen möglichen „Bereichen“  und ich werde im Laufe meines Daseins nie alles ausschöpfen können. Aber manches möchte ich noch mitnehmen. Mal sehen, inwiefern es gelingt. Ich verspüre keinen theoretischen Sättigungseffekt, wie auch wenn das Dasein nie durchdrungen werden kann.  Sicherlich habe ich wie andere auch ein Weltbild entwickelt, aber das darf einen nie daran hindern, sich nicht weiter für Dinge zu interessieren. Ich habe mir die Welt zu Recht gelegt, wie ich sie für zu treffend halte. Aber das heißt nicht, dass sie nun überschaut wird. Ganz im Gegenteil.  Und es gibt immer einiges zu erfahren, nicht nur im Wissen. Menschen haben zu aller Zeit gelacht. Aber trifft man auf einen Menschen, der wieder lacht, ist das ein Mensch von dem ich mich gerne anstecken lasse, sofern es kein zerstreuendes(wegblicken vom Dasein)  Lachen ist, wie es leider die Mehrzahl der Menschen praktizieren. Man erfährt nicht immer etwas neues, aber man erfährt eine Ausprägung, eine Möglichkeit des Daseins und das ist selten uninteressant.

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Lächeln

Montag, 23. Januar 2012 13:11

Ich finde Begegnungen im sogenannten Cyberspace recht interessant. Besonders Webcam-Übertragungen. Es liegt nach wie vor eine Distanz vor, schließlich sind beide Parteien nicht im gleichen Raum präsent, dennoch sind sie füreinander sichtbar, sie müssen aufeinander reagieren. Denn nach Watzlawick kann bekanntlich nicht nicht gehandelt werden. Und in der Erstbegegnung ohnehin nicht, jede Geste wird vernommen, kein Blick ist unbedeutend, der Interpretationsmotor läuft auf Hochtouren.
2008 hatte ich eine für mich lehrreiche Erfahrung die meiner Naivität geschuldet ist. Ich hatte eine Webcam-Session mit einer Frau, und als sie mir stolz ihr neugekauftes Kleid präsentierte und sich voller Freude dabei einmal im Kreis drehte, damit es von allen Seiten begutachtet werden kann, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich auch anderen Menschen Freude bereite. Nicht nur einfach anwesend bin, existiere, sondern in der Lage bin Freude zubereiten, also dass Menschen sich an mir erfreuen. Schließlich hat sie später noch mehrmals gelächelt. Natürlich haben Menschen auch schon vorher auf mich reagiert, gelacht oder gelächelt usw. Aber in diesem Moment, der auch einer jener besonderen Augenblicke für mich ist, ist mir das erst deutlich bewusst geworden, wie sehr die Möglichkeit stets vorhanden ist den anderen eine Freude zu sein.
Einen anderen interessanten Webcam-Moment hatte ich 2011 ebenfalls mit einer Frau (ich habe kaum Männerkontakte, da diese mich, wahrscheinlich naturbedingt, fast gar nicht interessieren). Wobei diesen Moment erläutere ich gleich, erst einmal werde ich noch den eben berührten Gedankengang kurz ausführen. Ich suche in der Tat kaum Kontakte, und wenn doch mal, dann ausschließlich zu Frauen. Da nur diese mir das geben können, wenn überhaupt, wonach noch eine Art Bedürfnis besteht. Nähe. Wobei im Moment das weniger ausgeprägt ist, was immer der Fall ist, wenn sich in Arbeit vertieft wird und man anderweitig beschäftigt ist. So dass dann auch keine Versuche unternommen wird das Alleinsein aufzuheben, weil es derzeit nicht als störend empfunden wird, aber das sind natürlich Phasen und ich bin mir bewusst, dass sich das auch rasch wieder ändern kann und auch wird. Jedenfalls zieht mich nichts zu Männerfreundschaften hin, auch allgemein tausche ich mich lieber mit Frauen aus, nicht mit Frau per se, sondern mit interessanten Frauen. Ihre Perspektive scheint mir oft reizvoller, auch wenn das vielleicht alles gar nicht so stimmt und bloß meine Wahrnehmung ist. Im Gegensatz dazu lese ich fast ausschließlich Texte von Männern. Was daran liegt, da oft nur diese das produziert haben, was mich reizt. Ich kenne keinen weiblichen Schopenhauer. In wissenschaftlichen Texten lässt sich natürlich auch von Frauen produzierte Aussagen finden, die es wert sind durchdacht zu werden, aber in der Summe überwiegen die männlichen Autoren. Ich suche mir die nicht gezielt heraus, sondern eins führt zum anderen. Natürlich liegen aus dem 17. Wie 18. Jahrhundert kaum weibliche Texte vor, die bewegen (abgesehen von Gedichten, aber das meine ich ja gerade nicht), weil zu dieser Zeit Frauen nicht dieselben Äußerungsmöglichkeiten hatten wie Männer. Pascal sieht das Elend des Daseins, Schopenhauer ohnehin, diese Texte berühren, sie sprechen zu einen, sie leben. Kierkeaard prägt die Verzweiflung usw. Welcher weibliche Text folgt demnach? Ich meine nicht Schicksalstexte, wo berichtet wird was einem widerliches durch Menschen widerfahren ist, die gibt es natürlich zu genüge. Ich meine überwiegend reflexive Texte. Vielleicht kommt das ja noch oder sie gibt es und ich weiß es nur noch nicht. Ich habe natürlich auch ein paar Frauentexte gelesen, die mich berührten, aber das waren wie gesagt Biographien, keine Reflexionen über das Dasein an sich. Da scheint mir ein theoretischer Mangel vorzuliegen. Es gibt Teillektüren, wie gesagt im wissenschaftlichen Bereich, aber keine Gesamtdaseinsperspektiven. Also: Ich lese fast nur Männer, suche aber in echt keinen gezielten Kontakt zu Geschlechtsgenossen. Warum auch? Die Menschen, die mich in Texten ansprechen sind tot, waren zu allen Zeiten rar, lassen sich nicht so ohne weiteres „da draußen“ finden. Bloß weil jemand männlich ist, ist er noch nicht interessant. Ohnehin finde ich es schwierig interessante Gesprächspartner zu finden, weil oft genug die Ausrichtungen divergieren, das bezieht sich auf Männer wie Frauen. Aber von Frauen kann ich dennoch mehr lernen, meine ich oder meinte ich jedenfalls einmal, aber vielleicht hat mir da unterbewusst auch nur meine Geschlechtsneigungen einen Streich gespielt. Ich weiß es nicht genau. Ich habe natürlich manches von Frauen in echt gelernt, aber das ja wiederum nur, weil ich vermehrt Frauenkontakte hatte, also ich gar nicht die Möglichkeiten hatte von Männern „zu profitieren“. So diese Randbemerkungen einmal bei Seite gelassen, zurück zu den überbrückten Distanzen, die weiterhin Distanzen sind, aber sich als Nähe äußern. Webcams. 2011 begegnete mir wieder ein Lächeln, was mich entzückte, und natürlich entspringt die Freude auch aus einem selbst heraus (also aus ihr heraus, es war die Daseins Freude der Frau), aber sie kommt erst in der Interaktion oftmals vollständig zum Vorschein. Mich lächelte ihr Gesicht dermaßen verschmitzt und süß an, dass ich es unmöglich je wieder vergessen könnte. Ich lebe für diese Augenblicke. Ich sehne mich nicht nach großen Gesamtperspektiven, ewiges Glück usw., das ist ja ohnehin nicht möglich, sondern diese verstreuten Augenblicke, sind so spannend und bereichernd, das genügt bereits. Mich trennt von den Menschen mitunter auch das mich nicht dasselbe bewegt wie sie. Eine Karriere in der Menschenwelt hat mich nie gelockt, ich habe darin nie etwas gesehen und es folglich auch nie angestrebt. Das läuft bei mir unter Schall und Rauch. Dagegen haben mich diese einzelnen Begegnungen schon immer fasziniert. Das sind jetzt natürlich zwei verschiedene Ebenen, aber warum das nicht einmal vermengen, nicht heimlich und dann hoffen, dass es ja keiner bemerkt, sondern bewusst, weil es ist ja jetzt auch nicht so wichtig.
Beenden wir den kurzen Text mit dem Lächeln. Das Lächeln ereignet sich in einer kurzen Zeitspanne, oftmals hält es nicht länger als eine Sekunde an. Aber in dieser Sekunde geschieht so viel und es ist unmöglich all das Festzuhalten, oftmals überlebt nur der Eindruck den dieses Bild hervorrief: Entzücken. Sich erfreuen an der Freude der anderen. In dem Moment gewinnt man so eine Zuversicht in andere Menschen. Leider hält das nicht immer vor, wenn den Menschen dann in der Wirklichkeit begegnet wird. In meine beiden Fälle übertrug es sich aber auf die aktuellen Begegnungen und das Strahlen aus der Distanz erhielt sich in der Nähe. Ich muss sagen, das eine Lächeln aus 2011, diese eine Sekunde, ich habe noch nie ein schöneres Lächeln gesehen. Und bedingt dadurch, dass Menschen überall sind oder sie auf Leinwänden wahrgenommen werden können (also Filme), habe ich schon einige Lächeln gesehen, wie ja jeder Mensch. Aber dieses eine Lächeln überragte alle anderen. Ich hoffe, ich kann mir dieses Bild solange wie möglich bewahren, denn natürlich neigt das Gehirn zum vergessen und Bilder verblassen. Aber was überleben wird ist der Eindruck des Augenblicks. Aber ich hätte gerne auch, dass das Bild solange wie möglich überlebt.
Das Lächeln von 2008 wird mich ebenfalls so lange begleiten, wie ich noch denken bzw. mich erinnern kann. Es wird für mich immer etwas Bestimmtes symbolisieren: Die Freude die sich Menschen allein durch ihre Anwesenheit, ihrer Zuwendung gegenseitig schenken können – und sei es auch nur aus der Distanz heraus.

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Denken

Freitag, 20. Januar 2012 2:25

Gelegentlich bedauere ich, dass die Schulen und Universitäten und erst Recht die meisten Menschen einem das Denken verleiden statt ermöglichen.  Sie führen nicht hin zum Denken, führen auch nicht weg, sondern schlagen es bequemerweise einfach tot. Der Mensch wird auf den Menschenweltunsinn hin trainiert.

Ich würde gerne noch so manches durchdenken, ich fühle mich erst am Anfang meines Denkens. Allein mir fehlt vermutlich die Zeit wie Daseinsmöglichkeit.
Im Leben bin ich erst seit 8 Jahren, nach meiner eigenen Zeitrechnung, 2004 ist mein wirkliches Geburtsjahr, demnach bin ich 8 Jahre alt. Die Jahre zuvor war ich nicht existent, ich habe nicht gelebt, ich wurde gelebt, mir wurde Wahnsinn diktiert und aufgedrängt. Erst ab 2004 war es mir langsam möglich meinen eigenen, aber ich glaube friedlicheren Wahnsinn zu errichten. Mit dem Denken habe ich erst Ende 2009 so richtig begonnen bzw. eine neue Ebene erklommen. Sehr spät also, allerdings manche fangen in ihrem ganzen Leben nicht mit dem Denken an bzw. suchen es nie, vermeiden es absichtlich. Ich sollte also froh sein überhaupt diese Reise angetreten zu haben. Ein Ankommen gibt es dabei nicht. Dafür viele Irrwege. Aber auch diese sind interessant und mitunter förderlich. Meine Grundgedanken sind im Vergleich zu 2004 nicht so verschieden, haben sich nicht revolutionär erneuert, aber sie haben sich reichlich verzweigt, verästelt, und dieser Vorgang ist sehr spannend.
Hannah Arendt hat mit 14 Aristoteles gelesen. Ich mit 17 mein erstes Buch, ein Sportbuch. Ich kannte mit 17 bestimmt nicht einmal Aristoteles, ich kannte ja nicht einmal mich. Mich kenne ich immer noch nicht, aber ich weiß um die Schriften von Aristoteles, auch wenn ich sie direkt immer noch nicht gelesen habe bzw. nur auszugsweise.
Ich musste mir mein Denken selbst erarbeiten. Es hat lange gedauert, nun ist der Funke da. Ich habe viel Zeit liegen lassen. Ich bin immer Gedanken nachgegangen, aber meist waren sie nicht sehr tief (Ich hab auch zuviel “seriöse” Zeitungen gelesen die überwiegend von Belanglosigkeiten berichten, ob sie nun SZ, Faz oder die Zeit heißen, letzlich sind es von vorne bis hinten auch nur Klatschpressen, die entscheidenen Themen werden nur selten erwähnt und wenn nur oberflächlich. Sie bedienen eher Menschen, die nach Kierkegaard, sich eine Meinung leihen wollen, eben die von Jorunalisten). Und auch jetzt bin ich nicht der Flachheit vollkommen enthoben, ich sehe in der Ferne auch kein Licht, dass es anzusteuern gilt. Das ist für das Denken nicht möglich, es wird sich stets in Dunkelheit bewegen, aber es bewegt sich, engt sich nicht ein, begibt sich nicht in Selbstverständlichkeiten!
Niemand hat in meiner sogenannten Familie wirklich gelesen (es sei die BILD-Zeitung wird erwähnt).  Von Förderung kann da nicht die Rede sein, nur von Forderungen nach Zahlen, sprich Noten. Die Menschen legen so viel Wert auf diese belanglosen Zahlen, zu viel wert auf Papierabschlüssen und viel zu wenig auf den wirklichen Inhalt des Denkens. Sie glauben, wenn auf einem Zeugnis lauter 1en vorliegen wird auch gedacht. Dabei besagt das nur eine erstaunliche Fähigkeit in der Anpassungsleistung. Was sicherlich auch sehr anstrengend und mühsam ist, das bestreite ich ja gar nicht. Nur sagt das noch nichts über das Denken aus.

Erst seit einem Jahr vernehme ich die Dringlichkeit und nutze die Tage intensiv. Wie gerne würde ich mich noch einmal in das Jahr 2004 oder wenigstens 2007 zurück schicken und von mir aus mit Null beginnen, aber mit einer Liste an Vorkehrungen, meiner Liste an Vorkehrungen und Hinweisen. Aber wahrscheinlich wäre ich dumm genug sie ungelesen bei Seite zu legen, es nicht zu nutzen. Erst das Denken was auf eigenen Weg erlangt wird, bleibt ja wirklich haften. Somit war der achtjährige Denkprozess bzw. Weg zum Anfang des Denkens hin, zwar zeitlastig, aber umso nachhaltiger. Gerade die vielen Irrwege sind mir nun nützlich, um manches in Perspektive zu setzen bzw. mehrere Perspektiven zur Auswahl zu haben. Ich profitiere schon davon, allerdings wäre mir dennoch ein verkürzter Weg zum jetzigen Punkt hin lieber gewesen. Ich hätte schon weiter sein können. Weiter wohin? Anders formuliert: Ich hätte nicht weiter sein können, aber ich hätte mehr Denkverästelungen haben können. Und diese erfreuen mich gelegentlich.

 

Ich arbeite, wie gesehen werden kann, etwas an einem biographischen Nachlass. Es sind natürlich nur ein paar Stichpunkte, Andeutungen, Konturen, denn 29 Jahre Dasein lassen sich nicht in ein paar Worte einfangen. Warum Nachlass? Das heißt nicht, was daraus abgelesen werden könnte, es heißt nur, Ergänzungen zu liefern. Ergänzungen wozu? Nicht zu den Texten, denn die stehen für sich. Zumindest der, der gerade in Arbeit ist und der entscheidende sein wird, auch wenn in dem bisherigen Napoleon geht zu Grunde sich ansatzweise schon viel finden lässt, sicherlich in chaotischer Natur, aber gerade das macht ihn mir nach wie vor sympathisch. Das folgende und wohl letzte Buch wird geordneter, übersichtlicher und inhaltlich noch etwas vertiefter daher kommen, es soll eine Art Abschluss bilden. Nicht das Ende des Denkens, sondern gerade der Anfang des Denkens. Wenn man eine Analogie heranziehen will, dann ist das sozusagen meine Habilitationsschrift.  Aber da ich von Papierabschlüssen nicht so viel halte, lasse ich die Analogie gleich wieder fallen. Es ist eher meine Daseins-Schrift, also mehr als bloß Habilitation. Das Buch wird keine Denkinhalte vorgeben, sondern Denkbewegungen aufzeigen. Mir erscheint das ein viel gesünderer Aspekt zu sein. Nicht vermeintliches und fragliches Wissen auf andere übertragen zu wollen, sondern gerade das Gegenteil davon. Nicht Selbstverständlichkeiten aufbauen, sondern sie einreißen.  Wie dem auch sei. Jedenfalls habe ich schon immer, wie in einem der anderen Texte erwähnt, lieber Texte gelesen, die unmittelbar aus dem Dasein geschöpft haben, die anschaulich waren, jemanden direkt betrafen. Und mir ist gerade danach ein paar Gedankensprünge aus meinem Leben dahin zuschleudern, nicht präpariert oder großartig bearbeitet, sondern nebenbei vermerkt, nebenbei niedergeschrieben. Nicht in Schönschrift, sondern in Kladde. Es kommt im Leben nicht darauf an sich gut zu präsentieren, sich im Schein zu baden. Ich vermute, jeder Mensch hat Eigenschaften an sich die ihm selber lästig sind. Oder die ihm lästig sind, er aber dennoch interessant findet usw. Es geht nicht darum Wirkung zu erzielen, als netter Mensch zu erscheinen, wenn dann überhaupt es viel mehr zu sein (und dazu bedarf es nicht Halleluja-Handlungen), es geht viel mehr um gar nichts. Das schafft eine Form von Freiheit. Und diese ist für mich interessanter. Nichts verschweigen oder wenn dann bitte nicht zu viel. Ich möchte es mit Menschen zu tun haben die wirklich dem Dasein begegnen und wenn sie es tun, dann werden sie sich gehörig umgucken, eingeschüchtert, unsicher und ängstlich sein. Das heißt nicht, dass sie sich nicht auch mal erfreuen. Aber sie geben keine Gewissheit vor, malen sich nicht in kräftigen bunten Farben, ihnen ist das egal, sie haben ganz andere Probleme. Sie interessiert anderes.
Wie gerne wäre ich auf Menschen getroffen die richtig dem Denken verfallen sind, es gibt sie bestimmt. An den Universitäten waren sie kaum auszumachen. Die Menschen dort haben sich für Noten interessiert, nicht für Inhalte. Haben sich für Alkoholbesäufnisse interessiert, nicht für ihr Sein. Sie wollten so schnell wie möglich aus dem Denken herauskommen, sich in Berufe begeben, in Selbstverständlichkeiten usw.
Es klingt natürlich verzerrt, wenn ich vom Denken in höchsten Tönen rede, aber ich verweise ja darauf, dass ich da auch nur im Dunkeln herumtaste. Und wie ich es kürzlich bei Deleuze las und nun auf mich verwende, wenn ich nicht schreibe denke ich auch viel unsinniges Zeug.  Das lässt sich gar nicht vermeiden und das ist auch okay.  Aber es sollte auch Phasen geben, und es sollte nicht der geringste Teil sein, indem das Denken entflammt. Ich möchte gerne mal Menschen Treffen die nicht vom Denken leben wollen, sondern für das Denken leben.  Die einzigen, die ich kenne sind bereits tot. Von ihren Schriften konnte ich teilweise profitieren. Denn da standen nicht nur Wörter, da stand hinter jedem Satz ein ganzes Leben, ein Leben für diesen einen Satz, wenn man es so ausdrücken möchte.
Schulen und Universitäten sind überwiegend Denkabtöter, sie werfen einen – metaphorisch ausgedrückt – Decken über den Kopf um den Geistesrauch bereits im Keim zu ersticken. Sicherlich gibt es vereinzelt gute Professoren oder Dozenten, die Denkwege ermöglichen und nicht behindern wollen, aber sie bewegen sich nicht innerhalb der Bildungsstruktur, sondern gerade außerhalb dieser. Die gesellschafte Bildungsstruktur zielt auf Abrichtung von gewissen Fähigkeiten, es geht ihr nicht um Denkprozesse, eher noch um Funktionalität für isolierte Abläufe usw.
Es kann sich jener Mensch glücklich schätzen, der zumindest daheim im Denken angeregt wird, am besten von klein auf an. Der kann von den Bildungswegen profitieren, da er sich nur das herauszieht was er für sich braucht, den Rest lässt er nicht zu nahe an sich herankommen.
Mit 14 Aristoteles zu lesen besagt natürlich noch nichts über die Denkfähigkeit, das kann trotzdem ein verharren in Selbstverständlichkeiten mit sich bringen (sowieso, Aristoteles ist ja auch nur ein Mensch der mit Wörtern hantiert, sie anordnet, wenn auch mitunter geschickter als manch andere). Es kommt da auf etwas anderes an.  Ein andern mal mehr dazu.
Abschließend nur noch:  Alles was ich über das Dasein „weiß“, ich für wichtig erachte, habe ich abseits der Schulen und Universitäten mir erarbeitet, abseits der Verwandtschaft ohnehin. Will sagen:  Denken ist nicht an gewissen Strukturen gebunden, man muss sich seine eigene Strukturen schaffen. Es ist nicht leicht, wenn man nur von Menschen umgeben ist die in Selbstverständlichkeiten verharren, weil man dann automatisch sich auch in Selbstverständlichkeiten begibt, keinen anderen Ansatzpunkt erhält. Es muss schon eine Störung gesehen, um einen wachzurütteln. Es gibt Störungen verschiedener Art, intern, extern usw. Am gesündesten ist die Anregung durch einen anderen Menschen,  der einen andere Perspektiven aufzeigt. Diesen Menschen hatte ich leider nicht.
Ich muss irgendwie den Wahnsinn erkannt haben, der mich umgibt, wie auch nicht, er war ja alltäglich und fühlbar, betraf mich unmittelbar, so dass dies innerliche Störungen in mir hervorrief. Ich reagierte quasi mit meinen Gegenwahnsinn auf den Wahnsinn der anderen, leider war dies kein gesunder Wahnsinn (es war ein Wahnsinn mit dem ich  mir ausschließlich selber schadete). Aber ich besaß weder Reflexion noch sonst was. Ich wusste nur, der Wahnsinn drückt mich nieder. Und mein Körper reagierte für mich, nicht mein Denken. Als Kind steht man den äußeren Begebenheiten ja ohnehin noch relativ machtlos gegenüber. Aber diese Störungen, unter denen ich lange gelitten habe, haben mich aus den Selbstverständlichkeiten herausbefördert, nicht gleich, das geschah alles erst später bzw. zunehmend. Es verging viel Zeit. Wäre mir das nicht widerfahren, würde ich sicherlich ein Leben wie die meisten Menschen führen, ein Leben in Selbstverständlichkeiten. Nicht, dass das automatisch schlecht wäre, aber mir wäre so viel Gutes entgangen, so viel an Denkbewegungen verloren gegangen auf die ich nicht mehr verzichten mag. Um zum Jetzt zu gelangen ist jeder Baustein der Vergangenheit wichtig, mag er noch so unangenehm sein. Von vielen grenzt man sich ab, reibt man sich, und auch daraus resultiert Gewinn. Ich muss anmerken, dass ich Wahnsinn und Störung in einem anderen Kontext benutze als er vielleicht gängig ist, aber ich glaube, dass es schon zutreffend ist, dass eine Art des Wahnsinns vorlag (es gibt ja verschiedene Ausprägungen), auf die ich dann unbewusst mit einer Störung reagierte. Und da der Wahnsinn anhielt, hielt auch meine Störung an. Erst als ich mich dem Wahnsinn entzog, mir Freiräume schaffte, vor allem als ich mich 2004 selbst in die Welt warf, konnte ich langsam diese Form der Störung ablegen. Ich habe mir meinen eigenen Lebensrhythmus erschaffen. Dieser ist in der Menschenwelt leider nicht dauerhaft haltbar oder nur unter glücklichen Umständen, die bei mir nicht vorliegen,, aber solange wie er da war und noch ist, war er vom größeren Wert als mir unmittelbar immer bewusst war. Ich hatte eine gute Zeit, weil ich es mir selbst ermöglicht habe, habe mich aber weiterhin von all dem, was mich umgibt, in meinen Beschreibungsvorgängen anstecken lassen. Der Menschenweltwahnsinn ist ja auch sehr aufdringlich und kann einem immer wieder die Laune versauen. Aber so für mich gesehen, wenn ich mich dem Menschenweltwahnsinn entzogen habe, hatte ich sehr angenehme Zeiten. Ich konnte es damals nur noch nicht richtig schätzen, einordnen, weil mir die Vergleichsmöglichkeiten fehlten. Ich wusste es war besser als zuvor, aber ich wusste nicht, wie viel besser besser sein kann. Ich dachte, es gäbe noch viel mehr Spielraum. Dabei hatte ich schon sehr viel (für andere hatte ich nichts, aber ich setze andere Prioritäten). Jetzt weiß ich wie viel ich auch im wenigen hatte. Hätte ich es nur etwas besser genutzt, ich habe es ja genutzt, aber nicht so wie es angebracht gewesen wäre bzw. ich es im nachhinein bevorzugt hätte, wie ich es jetzt handhaben würde.

Zurück zum Einstiegsthema: Mir sind Menschen suspekt, die meinen erst mit dem Denken anfangen zu müssen/ zu können,  wenn sie eine schulische/universitäre Einrichtung besuchen bzw. glauben damit sei es dann getan.  Aber damit ist nur sehr wenig getan, mitunter sogar etwas Negatives befördert.  Dem Denken zu begegnen, in welcher Qualität dann auch immer, ist nur an dem eigenen Interesse gebunden, an dem eigenen Verlangen. Es kann zu jederzeit betrieben werden. Und wer einmal angefangen hat,  tut sich schwer damit in die Selbstverständlichkeiten zurück zu kehren bzw. er kann es nicht mehr. Sicherlich hat er auch noch Selbstverständlichkeiten, die ihm noch entgehen, aber dafür hat er andere eingerissen und wenn er welche findet, die ihm bisher reflexiv entgangen sind, wird er sie ebenfalls zurückweisen und nicht länger annehmen.

Ganz so lange Texte darf ich auch nicht schreiben, die Zeit ist etwas knapp, und ich muss noch ein paar Korrekturarbeiten an meinem neuen und letzten Buch vornehmen. Aber ab und zu werde ich nochmal ein, zwei Gedanken aufschreiben.

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Über 10.000 Tage Da sein und zwei Frauen, die es waren.

Donnerstag, 19. Januar 2012 1:18

Zweimal im Leben habe ich bereits die Frauen gehen lassen, die es waren, die Liebe waren. Wie viele Chancen hat ein Mensch? Wie viele Chancen habe ich?
Es waren zwei unterschiedliche Lieben, unterschiedlich ausgeprägt, aber in jedem Bezugsgrade intensiv, nicht steigerbar.
Ich begegne selten Menschen die ich ertragen kann, von daher war es schon erstaunlich überhaupt zwei Menschen dieses Kalibers zu finden, sich vorstellen zu können mit ihnen für immer zusammenzuleben. Ich finde viele Frauen sexuell attraktiv, könnte aber kaum länger als eine Nacht mit ihnen aushalten.  Die meisten Menschen langweilen mich, sprechen mich nicht an.
Es ist so hart etwas aufgeben zu müssen, dass einem alles ist, aber man irgendwie nicht fähig ist es einzulösen.
Manchmal träume ich dann von diesen Menschen, weil auch im Schlaf mein Gehirn weiterarbeitet, und wenn dann das Aufwachen einsetzt, befinde ich mich in einem merkwürdigen Gefühlszustand, es ist, als wäre die Bezugskette nicht gelöst, sondern erneuert und verkürzt.  Ich würde dann gerne wissen, wie es diesen Menschen geht, wie es um sie steht. Es ist unglaublich hart dieses Verlangen zu unterdrücken, jede Kontaktaufnahme sein zu lassen, weil es den anderen gegenüber nicht fair ist, sie müssen auch ihr Leben leben und nicht ständig zurückversetzt werden. Es würde ja auch nichts bringen. Es ist unglaublich schwer gegen seine innersten Wünsche zu handeln, Verzicht zu leisten.

Ich hätte diese beiden Menschen haben können (sofern man je einen Menschen wirklich haben kann, sagen wir besser: ich hätte ihnen dauerhaft nah sein können). Beide hätte ich haben können, hätte ich alles in sie hineingelegt, mich für sie sozusagen aufgeopfert. Aber ich suche ja gerade Menschen, wo man sich nicht beweisen muss, wo man Ich sein kann und das schon genügt, nicht wo eine Perspektive dargelegt werden muss, sondern wo der Augenblick zusammengelebt wird – weil das ist letztlich alles was den Menschen zur Verfügung steht. Wo man kaputt, erfreulich, traurig, auch mal distanziert (aber dennoch nah), alles zur gleich sein kann, wo nicht etwas eingefordert, sondern es gerne gegeben wird, sich von allein ergibt. Aber vielleicht ist das die Illusion und zu viel verlangt, ich weiß es nicht. Menschen haben berechtigterweise Erwartungen, Vorstellungen. Ich habe sie auch. Die wichtigste: Der andere muss mich mögen.
Sich abmühen, bewerben um den anderen langweilt mich. Sie müssen sich ja auch nicht um mich bemühen. Ich weiß es ist selten, wenn ich einen Menschen finde, der mich inspiriert, der mir Licht spendet, bei dem ich aufgehen kann, gefühlsmäßig wie geistig. Ich weiß das so sehr zu schätzen, das ich nichts verlange außer:  Dass ich für diesen Menschen ein ähnlicher Bezugspunkt bin, wie er für mich. Sieht er es nicht so, ist ein Zusammenleben ja nicht sehr ergiebig. Ich weiß also das Glück zu schätzen, auf jemanden zu treffen, der es wert ist geliebt zu werden, so dass mir das an sich genügt, er sich mir nicht weiter beweisen muss. Andere Menschen sehen das leider nicht so und ich bin zu alt, um noch Spiele zu spielen, Zirkusnummern vorzuführen. Ich sage: Ich mag dich. Das muss genügen. Mehr muss der andere Mensch auch nicht zu mir sagen. Mir ist es egal, was sie beruflich macht (gerade das ist mir egal, weil ich ja selber mich nicht so daran festmache), mir ist es egal, was andere Menschen von ihr denken, mir ist nur nicht egal, wie sie zu mir steht, was sie von mir fordert.

Wenn ich mich in eine Frau verguckt habe, habe ich mich nie gleichzeitig um eine andere bemüht. Sie genügte mir, sie war dann sozusagen meine Welt. Mir war die Intensität gleich bewusst, denn wie gesagt ist es für mich selten auf Menschen zu treffen, die erträglich befunden, ja sogar geliebt werden, Aber die anderen wollen meist eine Liebe bewiesen haben. Aber eine Liebe, die bewiesen werden muss ist bereits keine Liebe mehr. Liebe genügt sich selbst. Der andere weiß es, ich weiß es. Weiß er es nicht, liebt er nicht. Sondern er befragt sich.

Beide Frauen haben aber wahrscheinlich mich nicht so gewollt, wie ich sie gewollt habe, die erste noch am ehesten, aber auch nicht total. Aber die letztere hat eher die Situation gewollt, eine glückliche Version vom Zusammenleben, und welche Person die Leerstelle ausfüllt war ihr eher zweitrangig, so schien es mir zumindest (ob es zutrifft kann ja nie wirklich gewusst werden).  Sie haben eher Partnerschaftsvorstellungen gehabt, nicht die absolute Notwendigkeit gefühlt (und gerade Notwendigkeit ist letztlich Liebe, wo es nicht auf eine Situationskonstellation ankommt, sondern es gar nicht anders geht als den anderen zu lieben).

2004 habe ich gelernt, dass sich auch in Menschen verguckt werden kann, die nicht für einen geeignet sind, der Körper einen täuscht, diese Person einen gar nicht gut tut.
Ich weiß, dass die Körperliebe existiert (also der eigene Körper sagt ich liebe die andere Person), ich weiß nur nicht, ob sie was bedeutet. Für den Menschen ja schon, er vernimmt es ja … aber ob sie wirklich was bedeutet? Oder ob es nicht bloß ein Taschenspielertrick des Daseins ist? Natürlich könnte eingewandt werden: Don’t argue with the good things (sofern es beidseitig ist, sonst ist es natürlich die Pest). Ich schätze neben der reinen Körperliebe noch die reflektierte Liebe. Im Doppelpaket ist das Paket fester. Diese Ausführungen sind nun verkürzt, aber ich habe mich anderweitig dazu ausführlich geäußert, so dass ich mich jetzt nicht gar zu viel wiederholen will. Wobei gegen Wiederholungen nichts zu sagen ist, es kann sich nie gleich wiederholt werden und durch jede Wiederholung schimmert doch ein neuer Winkel, mitunter eine neue Perspektive durch.

Ich habe dreimal in meinem Leben wegen einer Frau geweint. Beim ersten Mal war es Dummheit, da ich die Illusion nicht bemerkt habe. Beim zweiten Mal habe ich es gehabt und es versaut, sie ziehen lassen. Beim dritten Mal hätte ich sie haben können, aber ich war noch nicht soweit, war noch mit eigenen Fragestellungen beschäftigt. Konnte und wollte mich nicht ihren (vllt. berechtigten) Ansprüchen beugen und darunter genügte es ihr nicht, es war bei ihr wohl nicht dasselbe Gefühl wie für mich. Ich hätte sie in jeder Lage genommen, sie mich aber nicht in jeder Lage.  Die Menschen waren mir nie in dieser Bedingungslosigkeit zugetan, wie es Liebe voraussetzen würde, so wie ich ihnen zugetan war.

Gerade dadurch, dass ich selten Menschen begegne, mit denen ich mir vorstellen kann zusammenzuleben, ist jede Berührung, jeder Kuss, ja jede Begegnung mit ihnen etwas Besonderes für mich. I’m not spoiled with love. So dass es für mich noch Bedeutung hat, es sich noch nicht verbraucht hat. Für mich sind diese Augenblicke, wenn zwei Menschen eine Brücke bilden, sich nicht bloß körperlich nahe kommen, sondern gerade gedanklich, intensive Momente. Menschen die jede Woche sich in Discos aufmachen um mit anderen Menschen Hautkontakt zu pflegen, also jemand flach zu legen oder zu knutschen, oder ins Bordell gehen, so vermute ich, diese haben das Gefühl für die Einmaligkeit verloren, ich glaube begegnet ihnen dann das was sie für Liebe halten, können sie es gar nicht in dem Maße wertschätzen, wie es angebracht wäre, weil sie durch die vielen Geschlechtskontakte abgestumpft sind. Aber es ist etwas Besonderes wenn das Ich doch einmal die Distanz überbrückt und das DU trotz aller Unwahrscheinlichkeit erreicht. Aber wie oft kommt das vor? Nicht sehr oft und ist man blöd genug, so wie ich, nimmt man die rare Möglichkeit vielleicht nicht mal wahr. Ja, Menschen finden sich überall, auch Frauen. Aber Frauen, die es einen wirklich angetan haben, die eben nicht austauschbar erscheinen, zumindest für einen selber, die gibt es kaum, denen begegnet man kaum. Und davon lebt ja gerade die große Erzählung der Liebe. Das sie nicht überall zu finden ist. Und wird sie doch gefunden, ist damit auch noch nichts besagt.  Liebe ist kein Heilmittel. Aber sie ist das beste, was das Dasein zur Verfügung stellt. Was immer das heißt.

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Ich will etwas über das Dasein erfahren

Mittwoch, 18. Januar 2012 22:04

Ich will etwas über das Dasein erfahren, nicht das geheuchelte oder milder formuliert: nicht das abgeschwächte. Ich möchte wissen, was Menschen wirklich bewegt, wie wenn sie sich mit Verstopfungen herumplagen. Aber nicht dieses Anpassungsabläufe wie, ich gehe regelmäßig zur Arbeit usw. Mich interessiert das individuelle. Nichts ausschließen. Was nicht heißt, dass sich nicht bevorzugt gewissen Themen zugewandt wird. Wie gesagt Arbeitsabläufe nach Stechzeit scheint den meisten notwendig, ich will es nun nicht werten, jedenfalls befindet sich das weniger in meinem Blickpunkt. Mich reizt, was Menschen zu allen Zeiten bewegte. Ihre Fragen zum Sein, ihre Angst vor dem nicht mehr Sein. Also universelle Themen und nicht erst kürzlich erfundene Schwierigkeiten (wie zum Beispiel: Finanzkrisen).
Mich langweilen Menschen, die sich nur erzählen wie sie sich zuknallen mit Alkohol, wem sie wo ihr Ding reingesteckt haben, wen sie abgeschleppt haben, wen sie abschleppen werden, wo die nächste Party stattfindet, kurz: wie sie sich vom Leben wegzerstreuen. Ich mag Menschen die sich dem Dasein zuwenden mit all den Schrecken die diese Anschauung mit sich bringt. Ich mag Menschen die nicht dem Dasein aus dem Wege gehen, sich nicht mit einer konstruierten Menschenwelt zufrieden geben, die ihren Blick erweitern, nicht einengen wollen. Ich mag Menschen, die mir wirklich etwas mitzuteilen haben. Wenn mir jemand sagt er hat Hämorrhoiden und mir anzeigt, wie es seine Daseinsabläufe erschwert, dann ist das näher dran im Leben als jedes Komasaufen. Mich interessieren alle Facetten des Daseins, nicht nur Schablonen wie Hobbys, Beruf, Lieblings TV-Programme. Das ist ja nichts, wo der Mensch wirklich sein Blut rein pumpt.  Nicht ein Hobby haben, lieber eine Leidenschaft, ein dringliches Bedürfnis! Nicht es nachgehen zwecks Zeitvertreib, sondern als unausweichliches Verlangen, bestreben! Ein alles geben, eine intensive Begegnung, nicht bloß ein Versuch.
Ich will wissen was in dem Menschen vorgeht, wenn er nachts nicht einschlafen kann. Ich will es mit seiner Angst wie mit seiner Begeisterung zu tun haben. Ich möchte nicht nur den erzählten Regenbogen, lieber den donnernden Regeneinbruch. Denn dort intensiviert sich die Beziehung zum Dasein.  Hier spürt der Mensch, was ihn erwartet, erhält Daseinseinblicke, keine beschönigenden Verschleierungen. Ich begegne Menschen mit sehr viel Sympathie die sich nicht zu schade sind ihre Unsicherheit einzugestehen,  die nicht meinen alles zu durchdringen, die planlos dem Dasein gegenüberstehen, die nicht glauben feste Antworten zu haben.
Menschen die von der Arbeit kommen und als erstes den Fernseher anschalten sind sicherlich auch in Ordnung, aber ich kann mit ihnen nichts anfangen. Sie interessieren mich nicht sonderlich, weil sie sich auch für sich nicht selber interessieren (sondern würden sie sich ja nicht wegbetäuben, wegzerstreuen).
Ich mag Menschen die sagen: Alle Menschen sind Deppen, aber ich bin es eben auch.
Das entspricht mehr meiner Denkweise. Menschen die sich für ach wie toll halten langweilen mich, sie können mich nicht inspirieren, weil sie nicht mehr suchen, sich bereits in Selbstverständlichkeiten eingemauert haben. Ich kann Menschen mögen, auch wenn sie Deppen sind. Ich kann keine Menschen mögen die sich glorifizieren, denn  dies geht einher mit mangelnder Reflexion. Jede Reflexion würde das unterbinden.
Ich mag Menschen, die ihr ganzes sein in Dinge und Themen reinstecken. So wie Schopenhauer, der sein ganzes Leben im Prinzip an einem einzigen Buch schreibt, dafür alles gibt. Es ist nicht einmal eine Aufopferung, sondern sie sehen gar keine andere Möglichkeit irgendetwas anderes zu tun. Dies ist es, was sie sich als Ziel vorgegeben haben.  Ich mag es nicht, wenn Leute halbherzig agieren und gar nicht in ihren Ideen aufgehen, nicht darin leben. Ich kenne Brüche. Auf und Abbrüche. Aber was bildet den Rahmen? Ist innerhalb dessen eine Kontinuität? Oder wird zumindest versucht darin aufzugehen oder sich bloß darauf beschränkt ja nicht unterzugehen?
Es hat auch nichts mit der Lautstärke des Beifalls zu tun. Niemand muss klatschen. Sie tun es nicht dafür, sie tun es für sich, da sie nicht anders können, es alles für sie ist. Das ist ihr Sein, das wollen sie zu ihrem Sein machen. Dabei ist es nicht einmal wichtig worum es konkret geht (nichtig ist ohnehin alles), allein dass sich jemand für etwas begeistern kann, sein Leben in diesem Dienst stellt, das finde ich spannend.

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Ich mag Menschen die sich schonungslos begegnen

Sonntag, 15. Januar 2012 4:16

Ich mag Menschen die sich schonungslos begegnen. Die sich nicht der Ehrlichkeit rühmen, sondern einfach ehrlich sind. Ehrlichkeit ist natürlich nur idealtypisch möglich und in 100% Reinheit nie anzutreffen bzw. jemand kann zwar glauben er sei durch und durch ehrlich, dass aber nur weil er seine eigene Motivlage nicht immer durchschauen kann. Und auch mit Ehrlichkeit ist nichts gewonnen. Aber eben mehr als mit beschönigender und verschleiernder Rede, bloß um den Menschenansammlungen zu gefallen bzw. nicht negativ aufzufallen.
Ich habe oft Dinge mitgeteilt, die andere Menschen abschrecken oder verschrecken. Man wirkt auf andere mitunter wie ein mental case, aber das sind bloß Zuschreibungen und daher nicht weiter beachtenswert.  Diese Angst der Menschen missverstanden zu werden ist erstaunlich. Die Angst sich durch seine Worte zu isolieren bzw. an den Rand gedrängt zu werden, liegt bei vielen vor (Ich bin da auch nicht absolut frei von). Mitunter reden sie sich ein, dass sie stets sagen, was sie denken, aber das beschränkt sich ja doch nur auf einige Abschnitte, ist nicht all umfassend. Ich sage auch nicht immer, was ich denke, manchmal weiß ich gar nicht, was ich denke. Aber ich sage eben mehr als es in dieser Menschenwelt gut tun würde, wenn es einem auf Akzeptanz ankommt. Ich suche nun nicht bewusst einen anderen Weg einzuschlagen, es ergibt sich von alleine, weil mir dieser Weg der ergiebigste erscheint, der interessantere. Ich lese ja auch lieber Texte, in denen jemand berichtet wie oft er sich eingepisst hat statt alles zu verschweigen, was unangenehm auf einen zurückwirken könnte. Wobei das natürlich albern ist, denn für vieles kann der einzelne Mensch nichts und Scham ist daher ohnehin nicht angebracht, wenn sollte sich der oder die oder das jenige schämen, die sich dieses ganze Daseins-Konzept ausgedacht hat.  Wie auch immer. Bis ich mit meinem neuen und wahrscheinlich letzten Buch fertig bin, also es gedruckt ist, werden noch ein paar Wochen vergehen. Ich werde hin und wieder je nach Laune ein paar Worte hier nieder fallen lassen.  Vielleicht hunderttausende, vielleicht auch nur eins. Am Ende lösche ich sowieso alles. Jedenfalls werde ich versuchen mich bei jedem Wort nicht darum zu kümmern, wie die Menschen gerne hätten, dass etwas ist, sondern wie ich es wahrnehme oder vermute. Recht muss ich deswegen noch lange nicht haben, aber das haben die anderen im Umkehrschluss auch nicht, vermutlich hat es keiner. Und es ist ja auch egal, dem Dasein kommt es nicht auf Menschenbegriffe wie Recht oder Wahrheit an, damit kann es ohnehin nichts anfangen, nur die Menschen hängen sich so daran auf und glauben dann es würde irgendetwas besagen.
Nun zu der eigentlichen Mitteilung (wobei Mitteilung einen Empfänger benötigt, und mein Monitor wird wohl nicht als solcher durchgehen?): Ich habe nun damit begonnen, meine Restbestände aufzulösen. Ich wollte das schon immer. Der Prozess wird noch ein paar Wochen dauern und nicht absolut vollständig sein, weil ich noch nicht ganz so weit bin, aber mich schon mal auf dem Weg mache. 2004 las ich in die tageszeitung einen Bericht über einen Jungen, der Anfang 20 war, und die Welt mit seinem Segelschiff bereisen wollte. Mich hat der Artikel damals sehr beeindruckt (Nicht wegen dem Segelziel, sondern der Loslösung von allem), ich habe ihn aufgehoben, will ihn aber nun nicht herauskramen, sondern beschränke mich auf meinen Kopf. Der Junge hat alle seine Sachen vor seiner Abreise verschenkt, das Fahrrad ans einen Freund usw. Er benötigte es nicht mehr. Letztlich werden die meisten Dinge nicht wirklich benötigt und sie werden nur angehäuft, weil man daran gewöhnt ist und es alle tun.  Jedenfalls war der Junge dann verschwunden und ist meines Wissens nie wieder aufgetaucht. Zumindest war das der damalige Stand. Er ist also wahrscheinlich im Meer gestorben. In dem Film Into the Wild, der auch auf einen realen Fall basiert, sagt der Hauptdarsteller auf die Ankündigung seiner Eltern ihm ein neues schönes Auto zu kaufen, obwohl sein altes noch geht, „Why do I need a new car?“. Das scheint mir eine ergiebige Haltung zu sein. Nicht gleich zu sagen, schöner besser, sondern: Brauche ich das wirklich? Und wenn ja, wieso? Was sagt das über mich aus?
Nun werde ich mich endgültig von einigen Dingen trennen, die mir doch sehr ans Herz gewachsen waren. Ich hatte mit diesem Prozess schon im letzten Jahr begonnen. Nun wird er weiter radikalisiert. Am Ende werde ich nur paar Klamotten, ein paar Möbel und mein Laptop übrig behalten.  Wie bereits erwähnt, wollte ich diesen Zustand schon immer erreichen. Aber eben aus eigenen Antrieb, so wie jetzt,  und nicht weil ein die äußeren Umstände dazu treiben, zum Beispiel Zwangsverkauf usw. Ich hätte nur wenig begriffen, wenn ich mich weiter an diese Gegenstände geklammert hätte (Bücher, Elektrozeugs, Filme, diverse Erinnerungsstücke mit Wert usw.). Und dass ich noch im Lernvollzug bin lässt sich leicht daraus ersehen, dass es mir mitunter schwer fiel mich davon zu trennen. Aber als ich mir dann deutlich machte, dass ich diesen Gegenstand erst Recht abgeben muss, wenn ich so lange überlegen muss ob ich ihn behalten soll oder nicht, ging es etwas leichter von der Hand. Denn wenn so lange überlegt werden muss, sagt das bereits aus, dass der Gegenstand einen mehr besitzt als man den Gegenstand. Viele Gegenstände sind harmlos, aber sie rauben mitunter Daseinszeit. Man muss sich um sie sorgen, dass sie nicht verloren gehen, sie mit jedem Umzug mitschleppen usw.
Einmal nur sich besitzen. Der wichtigste Besitz überhaupt. Und auch sich selber kann man ja nie besitzen, sondern wird man immer nur verlieren.

Heute lass ich in der Zeitung eine Todesanzeige eines Mannes, der in dem gleichen Alter wie ich gewesen war. Ich habe immer wieder betont, dass Millionen Menschen nie mein Alter erreicht haben. Ich finde es fatal, wenn Menschen den Zukunftsprozess als selbstverständlich ansehen, Zeit liegen lassen, weil sie davon ausgehen, davon noch jede Menge zu haben. Vielleicht haben sie das, vielleicht auch nicht. Sie wissen es nicht. Mir sind Menschen suspekt, die sagen ich mache jetzt erst einmal ein paar Jahre das und dann das, dann fange ich an zu Leben – denn dann haben sie vielleicht bereits kein Leben mehr. Leben ist immer nur jetzt.  Darum ist es auch egal, ob man schreibt man hat sich in die Hose gepisst – als würde es darauf ankommen. All das ist ohnehin bald verblasst, zumindest für einen selber, da man verblasst ist.

Ich habe viel Zeit in meinem Leben liegen lassen, und tue es jetzt auch noch hin und wieder. Prinzipiell gewinne ich aber immer mehr Zeit für mich. Denn ich lasse mir nicht mehr von Menschen sagen, was ich für wichtig erachten muss.  Das geht natürlich leichter, wenn man nur auf sich allein gestellt ist.  Und es ist auch so nicht immer leicht. Aber anders wäre es auch nicht leichter, nur eben anders.  Deswegen ist es eigentlich ganz in Ordnung, wie es derzeit ist. Früher hatte ich mehr von manchen Dingen, aber weniger von mir. Und da man die Dinge nie sein kann, ist es eben wichtig, wenigstens Ich zu sein.  Das klingt geschrieben ohnehin wie der letzte Rotz, und vielleicht ist es das auch, aber was durch die Menschenwelt noch zur Auswahl steht erscheint mir nicht weniger bedenklich, sondern noch verstörender.

Ich schreibe eigentlich weniger um mitzuteilen, sondern um Gedanken aufzuspüren, die mir selber noch nicht bekannt waren bzw. sich verborgen haben. Im schreiben wird man oft von sich selbst überrascht und es gilt auch sich an Kleinigkeiten zu erfreuen, an Nebensätzen seine Freude zu haben. Ich schreibe überwiegend an mich selber. Eigentlich tut das jeder, auch wenn sie sich an andere richten, denn das Ich erreicht das Du nicht usw.

So, das hier ist auch ein netter Augenblick. Die Nacht um sich zu haben, halb ermüdet zusammenhangslose Gedanken abzuwerfen.  Sich nicht um ein Anfang, eine Überleitung oder ein Ende bemühen zu müssen. Einfach ein paar Gedanken nehmen die gerade vorbeischwirren und sie festhalten. Sie nicht in stilistischen Glanz einhüllen, sondern sie ganz simpel widerzugeben. Ich hätte auch andere Gedanken nehmen können, aber diese haben sich gerade angeboten und waren zur Stelle. Also sind sie es geworden und nicht alle anderen möglichen Gedanken.

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Vertrauen

Donnerstag, 12. Januar 2012 3:43

Nicht im Bild:

Eine hübsche Frau zu treffen, die einen nicht kennt und sich doch urteilsfrei darauf einlässt einen kennenzulernen. Resultat: Viele heitere Göttinger Abende wie Unternehmungen und Begegnungen. Aber besonders: Der erste Abend und ihr Lächeln.  Sie kennt mich nicht, kommt mich aber mit gebrochenen Bein und auf Krücken in meiner Wohnung besuchen. Im ersten Augenkontakt, ihr freudiges Lächeln, das in dem Augenblick nur mir gilt.

Göttingen Februar 2008.

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Gründe zu haben zu lächeln

Donnerstag, 12. Januar 2012 3:17

Halle 2008

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Nicht einsam zu schlafen

Donnerstag, 12. Januar 2012 3:12

Halle 2010

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