Hinweis: Auswahl der Texte

Mittwoch, 21. März 2012 14:43

Ich möchte kurz darauf hinweisen, wenn jemand das Bedürfnis hat einen meiner Texte zu lesen, sollte dies Du bist nicht krank (oder alle sind es) sein. Ich stelle auch andere Texte von mir zur Verfügung, aber sie sind weniger bis gar nicht relevant und nur der Vollständigkeitshalber abrufbar. Die Kategorie Aktuelle Gedankenprozesse sind noch von Interesse. Die Erzählungen und Gedichte sind unwichtig. Sie sind teilweise nicht einmal besonders gut. Doch es ist wichtig sich daran zu erinnern, woher man kommt, welche Torheiten man einst mit sich herumgeschleppt hat.  Die Erzählungen haben zwar wenig mit meinen biographsichen Abläufen zu tun, aber allein sie geschrieben zu haben war die Torheit. Ich hätte mich lieber dem Denken zuwenden sollen.

Bisher steht in jeder Kategorie  nur eine gewisse Auswahl zur Verfügung (Ich werde gelegentlich weitere hinzufügen). Für jeden Text, der hier abrufbar ist, habe ich noch fünf andere geschrieben (sicherlich mit stark schwankender Qualität). Bei den älteren Texten habe ich auf eine Korrektur der Rechtschreibfehler verzichtet, es werden sich also einige antreffen lassen.

Generell ist mein Motto: Es kommt auf den Inhalt an. Rechtschreibfehler lassen sich beheben, inhaltliche Mängel sind schwerwiegender und nicht so leicht korrigierbar.
Da es mir zu aller erst auf den Text: Du bist nicht krank (oder alle sind es) ankommt – und ich von seiner inhaltlichen Brauchbarkeit überzeugt bin, kann ich mit den Rechtschreibfehlern in den anderen Beischmücktexten erst einmal leben.

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Moderne Frauen

Samstag, 19. Mai 2012 12:13

Ich lese schon wieder zu viel Unsinn im Internet. Was mache ich hier nur?
Wie dem auch sei. An gewissen Stellen wird immer wieder behauptet, dass sich Männern nicht an die cleveren und reflektierten wie selbstständigen Frauen herantrauen. Dass sie eher jemand suchen, der ihnen untergeordnet ist, putzig und brav ist, dem sie sich überlegen fühlen können.

Nun ist es ohnehin nicht so ergiebig von DEN Männern oder DEN Frauen zu sprechen (es existieren immer nur einzelne Menschen und die haben unterschiedliche Ausprägungen, wenn hier und da auch mal Überschneidungen vorliegen mögen). Aber um das ganze abzukürzen, werde ich das mit einbeziehen.
Es wird immer von den modernen und überlegenen Frauen geredet. Aber wo sind die? Das scheint mir auch so ein Mythos der Frauen, damit sie sich toller fühlen können.
Es gibt kluge Männer wie Frauen. Ohne Frage. Das war schon immer so. Heute kommt nur hinzu, dass es viele Frauen gibt die sich der selbstgefälligen Eitelkeit der Männer angeschlossen haben, was eher negativ zu bewerten sein dürfte, in der Berufswelt aber positiv ausgelegt wird.
Wenn aber nix zustande kommt, muss das nicht nur an den Männern liegen die mit den angeblich so selbstständigen Frauen überfordert sind. Oftmals ist es ja eher so, dass diese selbstständigen Frauen Angst haben sich zu sehr zu binden, weil sie dann wieder um ihre Selbstständigkeit fürchten. Also das einige Frauen ja gar keinen Zugang zu sich ermöglichen.
Aber wie immer: Es ist weder dem einen noch dem anderen Geschlecht geschuldet. Es liegt immer am einzelnen Menschen.
Menschen die sich nach Wärme sehnen, werden sich auch öffnen und nicht verschließen. Viele stellen aber andere Dinge im Leben höher (Karriere usw.) und geben nicht alles für ein Zusammenkommen. Beklagen sich aber hinterher über Einsamkeit. Bloß weil sie gedacht haben, dass die Liebesbeziehung Ahnlichkeiten mit dem Berufsablauf hat. Sie haben investiert und nun soll da der Ertrag sichtbar vor ihnen liegen, er muss bloß noch abgegriffen werden. Aber so ist es ja nun nicht.

Das Zusammenfüreinanderdasein bewirkt ja nicht, dass das Ich und das Du zu einer Einheit verschmelzen. Es führt allerdings dazu, dass das Ich das Du immer im Denken mit einbezieht, im Blick behält. Und das ist doch schön. Die Eigenständigkeit bleibt bewahrt, es sind nach wie vor getrennte Personen, allerdings fühlt sich das Ich dem Du verbunden und bezieht es daher in seinen Handlungskonsequenzen mit ein.
Das Konzept eines Zusammenfüreinanderdaseins beinhaltet ja gerade, dass dem Selbst ein Du nun zur Seite steht. Wer SELBSTständig bleiben will, also alleine bleiben möchte, der darf dem Du nicht begegnen. Wer die Früchte aus einem Zusammenfüreinanderdasein ernten möchte, der darf sich dem Du nicht verschließen. Wenn das ständige zurückverwiesen sein auf das Ich so etwas Tolles wäre, würde wohl kaum einer ein Ich-Du-Verhältnis anstreben. Gerade durch das Du wird ja auch oft erst eine neue Form der Selbstständigkeit gewonnen. Ich entdecke eine neue Seite meiner Möglichkeiten und dergleichen mehr.
Wer möchte wirklich einen Menschen als Du einnehmen, von dem er nicht auch Neues erfahren, neues Lernen kann? Eine selbstbewusste Frau mit klugen Ansichten ist doch ein spannender Mensch, von dem profitiert werden kann. Wer nur in seinen Selbstverständlichkeitsannahmen stecken bleiben möchte, für den ist das in der Tat wohl nichts. Wer aber einmal den engen Blick aufgegeben hat, der wird sich immer nach Menschen sehnen die kleine Freigeister sind. Den deren Welt ist bunter. Und ein paar Farbtupfer hier und da können nie schaden.

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Anerkennung des Ichs nicht von den Anderen abhängig machen

Samstag, 19. Mai 2012 10:31

Es sollte sich nicht nach den Anderen ausgerichtet werden, sich von dem Zuspruch Anderer her definiert werden. Auch entgegen der üblichen Sozialliteratur (Mead usw.).
Man benötigt nicht und bekommt auch nie die Anerkennung aller. Erst einmal ist ein guter Schritt sich selber anzuerkennen, wie man gerne sein möchte. Wie einen die Anderen wahrnehmen lässt sich ohnehin nicht groß beeinflussen. Und akzeptiert man sich besser, sehen das auch oft die Anderen und können diese Akzeptanz akzeptieren.

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Man darf sich nicht zu sehr ans Depp-Sein gewöhnen

Samstag, 19. Mai 2012 1:23

Das Internet ist ein weiter Raum mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Charakteren, die sich dort zwischen all den 0en und 1en versuchen herumzutreiben. Einer, der sicherlich für keine geringe Zahl an Menschen steht, berichtete von seinem Frauenhass, seinen vielen Ablehnungen und das dies Legitimation genug sei bei Bedarf die Freundin zu betrügen, wenn sich die Chance auf eine andere Frau auftue. Denn die anderen Menschen sind seiner Ansicht nach nicht zu ihm fair gewesen, warum soll er es also sein? Natürlich würde er seiner Freundin nichts von der anderen Frau berichten.
Meine Gedanken dazu lauten wie folgt: Bloß weil man sich von den anderen nicht gewürdigt fühlt, ist das kein Grund gerade jene zu verletzten die sich doch auf einen eingelassen haben. Was für ein toller Dank. Da kommt jemand und baut einen auf und der Dank ist es den anderen dafür niederzureißen. Aber es ist sicherlich besser, wenn er sich auf die andere Frau einlässt UND seine „Freundin“ (wie seine Freundin behandelt er sie nicht) davon erfährt, damit sie nicht weiter ihre Zeit mit ihm vertut und sich von ihm trennen kann.
Es kann immer passieren, dass Gefühle nachlassen und man jemand anderen plötzlich mehr mag. Aber dann muss man sich ENTSCHEIDEN. Seine Freundin hat sich für ihn entschieden. Er sollte ihr daher gegenüber fair bleiben und nicht mit Lügen anfangen, bloß damit er sich wie ein toller Hecht vorkommen kann, während er aber in Wahrheit immer erbärmlicher wird.
Allgemein vertrat die entsprechende Person die Einstellung, man müsse alles mitnehmen, was man nur kriegen könne, ob das nun Frauen seien oder was anderes. Das wurde als Argument genommen Vorsicht walten zu lassen vor Männern, die sich erst noch die „Hörner“ abstoßen müssen. Dazu gab ich zu bedenken, dass gewisse männliche Äußerungen zu dieser Annahme schon verleiten können, aber generell sind meine Beobachtungen von einigen Männern mit Freundinnen nicht erfreulich. In Sportumkleidekabinne werden die Freundinnen gerne mal als „***fleisch“ bezeichnet. Das mögen alles Ausnahmen sein, aber merkwürdigerweise summieren sich diese Ausnahmen zu einer beträchtlichen Zahl. Anderseits muss man sagen, dass viele Frauen auch wenig wirkliches Interesse am Gegenüber zeigen. Sie checken nicht selten zu erst die oberflächlichen Details (Beruf, wohnt er bei Mami usw.). Das ist eine andere Ebene, aber manchmal auch nicht weniger disrespektierlich (Ich will keinen Hartzer, da = Schmarotzer usw.)
Das ist jetzt nur ein verkürzter Beitrag, aber was will man da auch ellenlang ausholen. Auf beiden Seiten gibt es genug Menschen, die ihr Ich voranstellen UND das Du einfach gar nicht sehen. Frauen und Männer sind da nicht viel besser, nur wird das oft auf anderen Ebenen ausgelebt, so dass es nicht immer gleich auffällt.
Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es genug Menschen gibt die offener, ehrlicher und schonender mit einander umgehen. Nicht immer zu jeder Zeit, da es manchmal nicht leicht ist, man sich auch mal vergisst, aber überwiegend. Nur fällt das weniger auf und das Abstoßende ragt heraus. Das Laute erhält Aufmerksamkeit, das Leise (das funktionierende) wird übersehen.
Die entsprechende Person glaubte, wenn die richtige Frau kommt würde jeder Fremdgehgedanke sich schon auflösen. Solange das nicht der Fall ist werde er eben alles mitnehmen.
Dazu fällt mir die bekannte Statistik ein. Angeblich reden Paare – je nach Land- nur zwischen 4 bis 10 Minuten am Tag miteinander. Was will man da auch erwarten?
In jenen menschlichen Beziehungen die ich tief gepflegt habe gab es immer eine Verbundenheit und viel kommunikativen Austausch. Ich glaube, wenn das vorhanden ist, ist das herumstochern bei anderen Frauen weniger wichtig. Weil die Ejakulation, die viele anstreben, das sind ein paar Sekunden “Glück”. Das andere ist ein umfassenderes und tiefergehendes, und sich anders äußerendes Glück.
Und wenn man mit einem Menschen eine Verbundenheit hat, möchte man ihm gar nicht weh tun. Was nicht heißt, dass man es immer verhindern kann. Aber man lässt das bewusste Hintergehen eben wegfallen und ist wenigstens ehrlich.
Es gibt genug Frauen, die wollen nur lose Beziehungen. Wenn eine Beziehung offen geführt wird, alles vorher festgelegt wird, liegen keine Schwierigkeiten vor. Bindet sich aber explizit jemand an ihn und er äußerst sich ebenso – handhabt es dann aber so nicht, so enttäuschst er am meisten sich selbst und merkst es nur nicht. Denn er ist ein schlechterer Mensch geworden. Ich bin fern jedes üblichen Moralgeschwätzes. Aber es gibt eine Aufrichtigkeit dem einzelnen Menschen gegenüber. Wird diese verletzt, wird der eigene Charakter verletzt. Das geht alles gut solange man einigermaßen jung ist. Irgendwann dringt das aber durch und er wird alleine enden, da sein Charakter immer schneller bemerkt wird. Vorhin las ich in einem Interview (mit Michael Lukas Moeller), dass man nicht plötzlich so umschalten kann. Hat man vorher jahrelang schäbiges Verhalten eingeübt, kann man nicht plötzlich ein Engel sein. Diese Aussage habe ich verkürzt und in meinen Worten wiedergegeben.
Der eingangs erwähnte Mensch kann also vergessen, dass bloß die richtige Frau kommt und er dann “geheilt” ist. Wer sich lang genug im Depp-Sein übt, wird dieses Depp-Sein nicht mehr einfach so ablegen können.
Und das mit Frauenhass ist generell nicht ergiebig. Ich zum Beispiel bin generell auf Menschen weniger gut zu sprechen, das hat aber nichts mit Hass zu tun, und bezieht sich fairerweise auf beide Geschlechter. Es kommt immer auf den einzelnen Menschen an. Der steht vor dir und kann nichts dafür, wie die anderen mit einem umgegangen sind. Manchmal ist das schwer sich dessen zu erinnern, aber man sollte es dennoch versuchen.

Mach nicht von anderen abhängig, was für ein Mensch du sein möchtest. Wenn du ein *** sein möchtest, sei eben ein ***, aber erwarte nicht, dass die Menschen dich als etwas anderes als ein *** behandeln. Das verstärkt dann zwar wieder einseitig seinen Hass, weil ihm nicht die gewünschte Behandlung widerfährt, aber diese Ablehnung hat er dann selber mit hervorgerufen. Ihm ist es nur nicht aufgefallen.
Ich schreibe das auf, weil an anderen Menschen oft ein Verhalten beobachtet werden kann, dass man auch in sich trägt, einen aber an sich selber gar nicht so bewusst wird. Nun bezieht sich diese Aussage nicht auf das Fremdgehen, weil ich, wie oben geschrieben, mich immer für eine Person entschieden habe und dann war es auch diese Person und keine andere. Im Zusammenspiel mit dem zitierten Interview ging mir eher das Depp-Sein besser auf. Wenn man sich lang genug darin übt, kann dieses Muster nicht mehr einfach von heute auf Morgen fallen gelassen werden. Man steckt zu sehr drin. Ich war oft genug sicherlich ein Depp (aber in anderen als den hier beschriebenen Dingen). Was nicht ausschließt, dass nicht andere sich auch wie Deppen benommen haben, aber da der Fokus auf der eigenen Person liegen sollte, bleibt es beim eigenem Deppentum. Darum sollte man sich nicht einmal phasenweise Depp-Sein zugestehen, die Gefahr ist hoch, dass dieses Depp-Sein hängen bleibt und die Phase sich auf das ganze Leben ausdehnt.
In mir wachsen derzeit Bausteine zu einem neuen Gedankenstrang. Er liegt eigentlich schon ausformuliert vor, wenn ich demnächst eine Zeit-Möglichkeit habe werde ich ihn niederschreiben. Er erscheint mir nicht unwichtig. Für mich zumindest ist er wichtig, allein deswegen muss ich ihn aus dem Kopf herausholen und aufs Papier pressen. Das hat mit all dem erwähnten weniger zu tun. Ich habe nur so ausführlich davon berichtet, weil ich es immer wieder schade finde, dass Menschen einander schänden, wo sie sich so gut tun könnten.
Es gibt einige tolle Menschen. Und die bewirken viel. Aber die Masse der Menschen die dagegen wirkt mit ihrem schäbigen Verhalten ist oft größer. Das ist das bedauerliche. Sie wollen ihr Deppentum gar nicht ablegen, sie suhlen sich, gefallen sich darin. Aber auch von ihnen kann man lernen. Sie sind lebende Mahnmale wie man gerade nicht sein möchte. Vielleicht ging es gerade darum in meinen Beitrag? Sich das schäbige Verhalten anderer zu Nutze machen, in dem man daraus die Kraft schöpft, es gerade so nicht zu handhaben. Es wird einem dann bewusster und umso energischer und eindringlicher strebt man dann den „besseren“ Vorgang an.

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Die Augenblicke im Allein-Modus dürfen nicht gegen die Augenblicke der Zweisamkeit ausgespielt werden. Es gibt hier kein Entweder/Oder. Beide Augenblicke sind bereichernd.

Dienstag, 15. Mai 2012 1:51

Einsame Menschen haben das Leid der Welt nicht für sich gepachtet. Diese Aussage gab jemand im Bezug darauf von sich, dass sich auch Familienmenschen mit Kindern das Leben nehmen.

Für mich ein sehr wichtiger Satz. Ich glaube, ich habe noch nie darauf gesetzt, dass der Gegenpart alle Probleme löst. Dennoch habe ich auch viel davon abhängig gemacht. Später lernte ich Frauen kennen, die mir zugetan waren und ich ihnen – und konnte viel daraus gewinnen. Aber es verändert nicht die Welt als solches, selbst wenn der andere einem wirklich viel, wenn nicht sogar alles bedeutet.

Ich halte auch nichts davon, wenn man sich an den Schwierigkeiten anderer Menschen orientiert. Das löst die eigenen Schwierigkeiten nicht auf. Aber eigentlich sollte man doch immer wieder seine Lage gründlich reflektieren.
Ich hatte auch gewisse Gedanken, und hab sie immer wieder, wie aber wohl jeder Mal diese Gedanken hat (in unterschiedlichen Graden). Aber immer mehr habe ich gemerkt, dass ich viele gute Augenblicke hatte. Ich habe sie nur nicht gesehen. Mein klammernder Blick auf ein kommendes Du hat sie unkenntlich gemacht. […] Wenn man noch nicht satt ist zu existieren, kann man auch alleine viel abschöpfen. Das Problem ist nur viele wissen alleine nichts mit sich anzufangen. Das wird auch in einer Beziehung ein Problem sein, denn der andere kann nicht die einzige Beschäftigungsgrundlage sein, das würde ihn überfordern.

Wer alleine unglücklich ist, bei dem ist die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er auch in der Zweisamkeit unglücklich ist. Vielleicht auf anderer Art und in einem anderen Grad, doch Verzweiflung fühlt sich immer unangenehm an.
Zweisamkeit ist vieles, aber nicht alles im Leben. Menschen die in Beziehungen sind haben auch Probleme zu Genüge, eben weil in Beziehung zu sein, nicht alles ist, nicht alles aufhebt.
Ich kann ein tiefes Buch lesen und der Augenblick kann schon sehr wertvoll sein. Ich bin etwas kitschig veranlagt, aber wenn ich Spazieren gehe und ich sehe eine Entenmama mit ihren quirligen Kids oder ein Eichhörnchen bei der Futtersuche, oder nachts zwei Igel auf der Wiese, denn genügt dieser Augenblick bereits. Das hebt den Wunsch nach dem passenden Du nicht auf, aber man darf das Abschöpfen der Augenblicke dabei nicht verpassen. Wenn ich laufe und das Wetter ist schön, dabei einen guten Song im Ohr habe, dann ist das nicht selbstverständlich. Und wenn ich mich abends alleine fühle, dann entwertet das dennoch nicht diese Augenblicke. Man darf das nicht zu lassen.
Ich hab kürzlich versucht mich in einen Heim für geistig beeinträchtigte Kinder einzubringen. Und da sind Kinder, die werden wohl nie einen Lebensgefährten haben oder eine Arbeit, in dem Sinne, wie man das so als selbstverständlich annimmt. Trotz all dessen gibt es für sie auch reichlich Momente der Freude. Aber sicherlich ist das ein zu komplexes Thema, um es nun weiter in dem Kontext zu erörtern.
Alleine zu sein, wenn man nicht alleine sein will, ist nicht schön. […] Trotzdem habe ich viele schöne Augenblicke erlebt, die mir damals entgangen sind, weil ich sie für zu selbstverständlich ansah. Man darf sich nicht den Blick verstellen. Auch mit Leiden kann man sich eine nette Zeit machen, wenn man eben was mit sich anfangen kann. Ich jammer auch gerne mal, ich kann das sogar sehr gut, aber man sollte aus den richtigen Gründen jammern. Vielleicht sollte man statt das Alleinsein zu bejammern viel mehr seine eigene Unfähigkeit bejammern, mit sich alleine nicht zu Recht zu kommen. Ich komme überwiegend gut alleine klar, aber es gibt ja Menschen, die können keine Sekunde alleine sein, brauchen ständig Zerstreuung durch andere Menschen.
Aber das soll kein Angriff sein. Niemand muss sich angesprochen fühlen. Ich musste heute nur etwas länger über den zitierten Satz nachdenken, weil er es verdient, dass man sich das ab und zu bewusst macht. Mir war das gerade wichtig zu schreiben, mir hilft sowas manchmal. Es soll jetzt keine große Weisheit darstellen.
Der Text ist auch in einem anderen Kontext entstanden. Dazu passend, andere Fragmente von mir (bezogen auf Äußerungen eines anderen Menschen, der behauptete Alleinsein sei schöner als Zusammensein bzw. Zusammensein auch nicht so viel besser, es sei 10x schöner sich das vorzustellen):

Es ist eine Frage der Erwartungshaltung. Wer allein vom Sex ausgeht, wird in der Tat in seinen Träumen sich mehr vorstellen können als dann im Ablauf geschehen wird.

Allerdings finde ich, dass auf einen wirklich gleichgesinnten Gegenpart zu treffen 10x schöner ist als man es sich je vorstellen könnte. Denn dann ist eine Verbundenheit vorhanden, ein stetiges Lächeln, ein Austausch möglich, der alleine im Kopf so nie funktioniert. Denn gerade das Unplanbare ist daran so schön. Ich werde alleine nie so lustig sein können wie mit jemand mit dem ich gut herumblödeln kann usw.
Ich kann gut mit mir alleine sein, aber ich weiß auch, dass mit dem richtigen Menschen es um ein vielfaches schöner ist. Anstrengungslos ist es nie. Aber ich mit mir alleine – das ist oft auch anstrengend. Nur auf einer anderen Ebene.
Wahr ist aber, hat man nicht den geeigneten Menschen, ist die Zweisamkeit die größere Einsamkeit. Aber dann wäre es ja auch Blöde da eine Beziehung einzugehen.

Es ist nicht leicht den richtigen Gegenpart zu finden. Aber genügen schaffen es. Aber das heißt auch nicht, dass ihr Gegenpart für mich richtig erscheint. Was für einen von außen wie eine dysfunktionale Beziehung aussieht, kann von innen ganz anders wahrgenomen werden. Was daran liegt das jeder andere Ansprüche an eine Beziehung stellt.

Also mein Fazit ist: Wer nur vom Körperkontakt ausgeht wird im Kopf sich eine schönere Welt erdichten können. Wer alle anderen Eigenschaften/Aktivitäten/Anwesenheit dazu miteinbezieht, wird mit dem richtigen Menschen gemeinsam immer eine schönere und angenehmere Zeit haben als allein. Mit Betonung auf richtigen Menschen und mit Betonung darauf, dass nie alles rund läuft. Aber was läuft und wenn es läuft, ist jedem dauerhaften Alleinsein vorzuziehen. Und das sagt jemand wie ich, der wie gesagt, gerne alleine ist und viel alleine ist.
Aber es ist eben schwer den richtigen Menschen zu finden. Oft passiert es wohl nicht.

Jemand behauptete als Erwiderung allein könne man tun und lassen was man wolle. Meine Antwort dazu lautet wie folgt:

Das halte ich für einen Irrtum. Ich kann nicht mit dem anderen lachen, weil kein anderer da ist. Spazieren gehen ist gemeinsam auch schöner usw.
Ich will jetzt keine Liste erstellen.
Auch ein Nachmittagsschläfchen ist schöner, wenn da noch jemand an der Seite ist.
Sicher kann man all diese Tätigkeiten alleine nachgehen und wann man will, aber sie werden nie so schön und erfüllt sein, wie wenn der richtige Partner noch dran beteiligt ist.
Ich kann jederzeit leer in den Raum hinein lachen. Aber das erscheint mir nicht sehr sinnvoll.
Hingegen mit dem anderen zu lachen doch sehr sinnvoll.

Man kann machen was man will, wenn man Spaß an Ich-Tätigkeiten hat. Da gibt es sicherlich einige gute. Aber die Ich-Du-Tätigkeiten fallen alle weg und die will ich auch machen, also kurz: Ich kann nicht machen was ich will.
Niemand hat gesagt, dass man sich total über den anderen definieren soll. Ich bin weit ab davon. Wer mich kennt weiß, dass ich mich sehr gut mit mir alleine beschäftigen kann. Ja, ich kann sogar auch spannende Gespräche mit mir selber führen. Es ging nur darum, dass man alleine viel machen kann, aber es auch einen Raum gibt, der nur durch das Du erhellt werden kann. Man sollte hier kein Entweder/Oder erzwingen wollen. Alleine kann man viel Tolles machen. Mit dem richtigen Du aber eben auch viel Tolles, was alleine in DIESER Form nicht möglich ist bzw. es entsteht oft in der Ich-Du-Kombination etwas, dass das Ich übersteigt. Es ist dann etwas anderes. Was ja nicht heißt, dass Ich-Tätigkeiten nicht auch gut sein können.
Und das man nie vollständig die Einsamkeit aufheben kann weiß ich auch, das Ich kann das Du nicht erreichen, aus vielerlei Gründen nicht (man kann seinen eigenen Körper ja nicht verlassen usw.). Aber: Es gibt so Brücken. Und die können bereichernd sein und sind was ganz anderes als Ich-Tätigkeiten. Aber es hängt vom passenden Du ab. Bei 999999 von 1000000 Menschen bin auch ich lieber alleine. So eigenbrötlerisch bin ich. Aber da ist dieser eine Mensch, mit dem wird es immer toller sein, sich gemeinsam erleben zu können.

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Leichtsinn oder Selbstvertrauen?

Freitag, 11. Mai 2012 23:55

C. sagte besorgt über Katze A. “Sie ist halt immer so leichtsinnig.”
Dabei hat Katze A einfach nur Selbstvertrauen. Auf Dächern klettern stellt für sie keine Herausforderung da, sie sieht darin kein Problem.
Der Mensch wertet es als Leichtsinn, während es für das Tier einfach pures Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist.
Katze A macht sich keine Sorgen. Sie lebt weiser, da sie weniger Stress aufbaut?

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Die Gedanken nicht verstecken, bloß weil andere zu faul sind mitzudenken und lieber einzelne Äußerungen verdammen und den Kontext nicht wahrnehmen wollen

Donnerstag, 10. Mai 2012 12:52

Das Menschsein ist ein einmaliger Prozess. Ich möchte die Vielfältigkeit die darin verborgen liegt gerne einigermaßen ausschöpfen. Das Denken ist ein wesentlicher Bestandteil des Menschseins. Ich möchte nicht darauf verzichten oder wie andere ausschließlich seicht gespülte Gedankengänge anbieten, weil sie sich davon eine höhere Anschlussfähigkeit oder Aufmerksamkeit wie Anerkennung erhoffen.
Ein beliebter Vorgang mancher Menschen ist es einzelne Sätze einem Kontext zu entnehmen und sie dann abzuwerten. Dann wird auf den Satzverfasser eingeprügelt, weil er angeblich das und das gesagt und gemeint habe und wie schlimm und verwerflich diese Äußerungen doch sind.
Ich habe über 2000-3000 Seiten an Texten geschrieben. Es würde nicht schwer fallen einzelne Gedanken aus dem Kontext zu isolieren und sie mit Schimpf und Schande zu überwerfen. Das ist natürlich ein schwacher Vorgang, aber eben keine unbeliebte Methoden unter Menschen die gerne diskreditieren. Das führt dazu, dass jene Menschen die versuchen verschiedene Gedanken aufzuwerfen in der Menschenwelt einen gewaltigen Nachteil haben. Sie sind angreifbar. Andere die sich auf das Schweigen konzentrieren oder aus Ermangelung an Gedanken nichts äußern können werden plötzlich durch ihre Enthaltsamkeit hervorgehoben, sie sind die braveren Menschen. Sie können im Inneren wer weiß welch absurden Gedanken nachgehen, ihr Schweigen lässt sie unangetastet, sie werden hochgelobt.
Ich hingegen möchte es nicht verdammen, wenn Menschen sich äußern – schon gar nicht, wenn sie versuchen sich in unterschiedlichen Perspektiven hineinzudenken, da sie sich dessen bewusst sind, dass die eine eindeutige Denkrichtung gar nicht vorliegt bzw. zugänglich ist.
Ich möchte mich daher nicht für frühere Textversuche schämen, sie gar verstecken, nur weil sie Angriffsfläche bieten. In den 2000 bis 3000 Seiten Kontext bügelt sich das ohnehin alles aus. Dann wird verständlich, dass ein Gedanke vor allem an dem Augenblick gebunden ist, nicht für alle Zeit den Kopf bewohnt. Es ist zugleich aber auch nicht ausgeschlossen, dass es sich so verhält.
Ich würde mich eher schämen, wenn ich die bisherigen Denkversuche verschweigen würde, bloß damit ich glänzender und selbstgefälliger dastehe. Denn dann hätte ich das Menschsein verpasst, nicht das Denken gesucht.
Diese Äußerungen bewegen sich im Rahmen der Frage “Was für ein Mensch möchte ich sein?“. Antwort: Kein Mensch der sich versteckt. Der zu sich und dem Denken steht, mit allen unangenehmen Konsequenzen die die Denkentdeckungen und die Reaktionen darauf mit sich bringen. Das die Menschenwelt nur mit Beschönigung umgehen kann ist leicht einsehbar, wer sie sich anschaut. Es kommt jedoch nicht auf die Menschenwelt an. Es darf sich nicht weiter daran gestört werden, dass andere einen verdammen, weil sie zu bequem und faul sind den Kontext mitzudenken und sich nur auf einzelne Sätze stürzen. Es lohnt sich nicht sie auf den größeren Kontext hinzuweisen, der ist ihnen egal, sie wollen bloß verdammen. In dieser Verdammungsfahrt darf man sie nicht begleiten, muss man sie alleine lassen.
Denken heißt sich in alle möglichen Denkrichtungen bewegen, da vorab nie gewusst wird, welche die „richtige“ ist. Und hinterher wird es meist auch nicht gewusst, nur behauptet – mit mehr oder weniger guten Begründungen. Das mag legitim sein, bloß gehört dazu auch die vorangegangenen Denkprozesse, kein Grund sie unkenntlich zu machen. Ohne diese Denkprozesse wäre man nie zu den gegenwärtigen gekommen.
Wer es sich im Denken einfach machen will, wird in meinen Texten leicht Material für seine Verdammnisschlacht finden. Wer sich im Denken bereits etwas mehr vertraut gemacht hat, wird es mit unter zu schätzen wissen, wenn nicht bloß in eine Denkrichtung gesteuert wird, auch schwer zugängliche und waghalsige Pfade betreten werden. Einige Menschen lehnen manche Gedanken vorschnell und undurchdacht ab. Ich hingegen versuche Denkpositionen, egal wie absurd sie auf den ersten Blick erscheinen, erst einmal einzunehmen und dann zu schauen, wohin das führt, was das mit sich bringt. Dann entscheide ich, ob ich sie für mich persönlich annehmen kann oder ablehnen möchte. Gerade in meiner Schrift „Napoleon geht zu Grunde“ habe ich den Versuch unternommen viele verschiedene Denkpositionen zu durchdenken ohne sie gleich als die für mich zutreffenden anzunehmen.
Wird sich in Gedanken vertieft, kann oft bemerkt werden, dass sie fast nie vollständig absurd sind. Auch von diesen Gedanken kann also profitiert werden, kann etwas herausgezogen werden: Entweder im Kern oder durch eine interessante Nebenbemerkung. Es lohnt sich also sich auf Gedanken einzulassen, sie nicht voreilig und undurchdacht einfach abzulehnen. Nicht selten wirken Annahmen absurd, weil die eigenen absurden Selbstverständlichkeitsannahmen nicht mit bedacht werden; wird dann umfassend der Gedanke aufgeschlüsselt und erläutert löst sich für den Beobachter die Absurdität auf. Er hat etwas von seinen Selbstverständlichkeitsannahmen ablegen können und die verstopften Denkwege frei legen können.
Nach wie vor gilt: Sich das Denken offenhalten, es nicht unnötig absperren.

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Zettel-Abschied

Dienstag, 1. Mai 2012 14:22

Blaise Pascal überkam eines Nachts absolute Gewissheit und Klarheit. Er meinte zu Gott gefunden zu haben. Er schrieb das wesentliche auf einen Zettel nieder. Diesen Zettel nähte er in seine Jackentasche ein. Bei seinem Tode fand man ihn dort. Jahrelang diente dieser Zettel Blaise Pascal als Erinnerung an diesen entscheidenden Augenblick.  Ich fand diese Vorstellung sehr einprägsam und nahm mir vor meinen eigenen Zettel zu schreiben. Dieser sollte weniger ein religiöses Bekenntnis abbilden, sondern Gedanken, die jahrelang gereift sind und so etwas wie Einsicht darstellen. Die Idee für die ich bereit bin alles zu geben sollte Einzug auf diesen Zettel erhalten. Der Zettel sollte nicht nur Erinnerung sein, er sollte zugleich eine Mahnung sein, ja nicht vom Pfad abzukommen. Und wenn doch einmal, dann schleunigst den eigentlichen Weg wieder aufzunehmen. Ich habe lange überlegt, was diese Idee, für die ich bereit bin alles zu tun, bei mir ist. Für Pascal war es die Idee eines christlichen Gottes, für ihn wollte er alles tun und tat es dann konsequent auch. Ich hätte schreiben können, ich will alles für das Denken tun, doch das wäre zu unpräzise gewesen.  Ich befürchte ich kann diesen Zettel nicht niederschreiben. Und das obwohl ich bald 30 Jahre bin. Ich weiß nicht, wofür ich alles tun will. Es gab Momente in meinem Leben da waren Menschen, die mir alles bedeuteten und heute immer noch alles bedeuten.  Klug wäre es gewesen, wenigstens für sie alles zu tun. Ich habe es nicht getan. Ich bereue das zutiefst. Denn dadurch, dass ich nicht alles für sie getan habe, habe ich gleichzeitig auch nicht alles für mich getan, denn ich habe mein Menschsein nicht vollständig abgerufen. Ich habe diese Menschen (an der Zahl zwei, zu unterschiedlichen Zeitpunkten, siehe auch Du bist nicht krank, Kapitel Liebe, §50) geliebt.  Ich habe sie nicht einseitig verschuldet verloren, es benötigt bekanntlich zwei Menschen dazu. Jedoch konzentriere ich mich weniger auf die Gegenseite, sondern auf mein eigenes Tun. Es erfordert einem alles ab, jene Menschen zu verlieren die für einen ein unverzichtbarer Teil der Welt sind, womöglich erst die Welt zu einem bewohnbaren Ort gemacht haben. Blumen in einer vertrockneten Wüste.  Ohne sie, ohne das Du, fällt es zunehmend schwerer sich durch dieses Dasein zu quälen.
Mein Zettel würde mehr aus Fragen bestehen. Er kann nur einen provisorischen Charakter haben. Ich habe keine Gewissheiten. Ich habe nur Fragen im Kopf, die aber ein Leuchtturm sind, einen führen.  Eine klassische Frage lautete: Was willst du vom Leben?
Wille impliziert, dass man alles dafür aufopfert und alles für diesen Willen tut. Gibt es so etwas bei mir? Ich habe viel für das Denken aufgegeben. Ich habe dafür Opfer in Kauf genommen ohne Ende, um mir etwas Freiräume für das Denken zu ermöglichen. Werden diese mir entzogen schwindet mein Lebenswille. Ohne jene ist mir das Leben zu stumpf.
Eine andere Frage wäre: Was für ein Mensch möchte ich sein?
Sie schließt an die andere Frage an. Ich möchte ein Mensch sein der nicht seiner Gier folgt und dafür andere Menschen niederknüppelt, der seinen Willen nicht dadurch befriedigt, indem er andere Lebewesen ausschöpft, sondern dessen Wille sich dadurch erfüllt, indem er anderen Lebewesen zur Seite steht. Ich möchte Menschen Gutes tun, sofern sie nach einer Hilfestellung verlangen, was nicht jeder tut, weil nicht jeder der Hilfe bedürftig ist.
Ich möchte kein zerstreuender Mensch sein.  Ich möchte mich weder von mir abwenden, noch von dem Dasein, auch wenn das den Anblick von viel Trauer und Grausamkeit mit sich bringt. Folglich möchte ich mein Leben nicht für einen Fernsehapparat hergeben. Meine Zeit ist zu kostbar als sie für ein Bildflimmern herzu schenken. Ich möchte es mit echten Menschen zu tun.
Es ist immer leichter zu sagen, was man nicht will. Doch damit ist noch nicht beantwortet, was man will. Indirekt schon, aber nicht in aller Klarheit. Ich möchte ein Mensch sein der seinen Blick ausbaut, nicht einengt. Der versucht die Welt nüchtern wahrzunehmen, der nicht unnötig beschönigt, aber auch nicht blind alles niederreißt. Wenn etwas Grausamkeit ist will ich es benennen. Ebenso sollte ein positiver Aspekt nicht verschwiegen werden, bloß weil er das Gesamtbild in seiner Eindeutigkeit aufhebt.
Hans Blumenberg verweist darauf, das Wissen oft mit der Frage in Verbindung gebracht wird, was können wir eigentlich wissen. Die wichtigere Frage wäre nach ihm aber: Was wollen wir eigentlich wissen?
Alles was ich wirklich wissen möchte ist dem Menschen nicht zugänglich. Ich würde gerne wissen wollen, was es mit dem Tod auf sich hat. Ich habe Vermutungen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffend sein werden, aber im Wort Wahrscheinlichkeit steckt eben schon der Schein, nicht die Gewissheit. Wissen ist Gewissheit. Folglich habe ich kein Wissen zu diesem Thema. Ich kann die Frage was möchte ich eigentlich wissen also nicht mit der Idee für die ich alles geben möchte verknüpfen. Denn was ich wissen möchte, werde ich zu Lebzeiten nie erfahren und danach wohl auch nicht.  Ich kann mein Leben folglich nicht für Wissensstreben hergeben.
Was möchte ich mit der Restzeit meines Daseins machen, wie lange es auch immer beschieden ist? Ich bin dem Thema Tod sehr eng verbunden. Nicht weil das Thema mich erfreut, es ängstigt mich zu genüge. Dennoch ist es für mich ein wichtiges Thema, vielleicht das wichtigste. Warum das so ist, habe ich ausführlich an anderer Stelle erörtert. Ich habe mir also überlegt, ob ich im palliativen Bereich tätig sein möchte, in der Sterbensbegleitung. Ich glaube, ich könnte Menschen dort dienlich sein. Mein Gedanken-Repertoire ist vielfältiger als es meine Texte vermuten lassen. Ich kann Menschen einen Input geben.  Doch was bewirkt dieser? Er vermag unter den gegebenen Umständen manches, aber meist doch nicht viel. Worte sind eben nur Worte und auch Anwesenheit rettet nicht immer über die Umstände hinweg.
Ich habe versucht mitzuteilen, dass jedes Lebewesen vom Wahnsinn umzingelt ist. Und die Menschen dazu einen neuen Wahnsinn geschaffen haben.  Ich habe darauf verwiesen, dass jeder Mensch im Dasein orientierungslos ist, wie auch immer er sich gebärden mag. Das verwirrt zu sein, herumzuirren, nichts mit Anomalität zu tun hat, sondern ein vollkommen natürlicher Prozess ist. Es also keine Notwendigkeit besteht. sich als anormal aufzufassen, wie es leider manche tun. Oder, wenn man es umdrehen möchte, leider nicht genug tun (das würde den Sachverhalt nämlich auch wieder aufheben, weil dann kein Stigmata von anderen auf einzelne übertragen werden kann, weil die Reflexion vor diesen leichtsinnigen Stigmata-Verteilung schützen würde).
Im palliativen Bereich ist nicht leicht Fuß zu fassen, man muss durch die Mühlen der Menschenweltstrukturen gehen und diese wirken sich auf mich immer zerstörerisch aus. Es ist also zweifelhaft ob mir in dieser Hinsicht etwas gelingen wird.
Ich habe also schon Ansätze von Ideen, die mir etwas geben könnten, aber ich kann es nicht leben, weil mir die Möglichkeiten fehlen (und ich sie nicht selbst erzwingen kann, manche können es, ich gehöre leider nicht zu dieser Sorte Mensch)  und ich Dummheit und Grausamkeit nur schwer ertrage und die Menschenwelt wie die kompakte Welt voll davon ist.  Kein Mensch weiß was seine Bestimmung ist, vielleicht keine. Doch viele ergreifen ein Thema und machen es selber zu ihrer Bestimmung, weil sie es so wollen. Das ist die Idee, für die sie alles tun. Mir geht wohl etwas dieser Heroismus ab, aber ich bewundere das bei anderen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich fast 30 Jahre brauchte um zum Anfang des Denkens zu gelangen. Ich habe viele Denktäler durchschritten. Ich kann mich nur noch schwer auf Selbstverständlichkeitsannahmen einlassen, weil die mich besonders in meiner Kindheit ruiniert haben.  Und eine Idee für die man alles tut ist irgendwie eine trügerische Selbstverständlichkeitsannahme, es sei es gelingt einem das theoretisch gut zu unterfüttern. Mir ist es bisher noch nicht gelungen.
Das ich 30 Jahre gebraucht habe für den Anfang des Denkens muss kein Nachteil sein. Leider machen die Menschen in der Menschenwelt es zu einem, was daran liegt, dass sie zum Anfang des Denkens immer noch nicht gelangt sind. Wenn etwas aus eigener Kraft errichtet wird (und vorher massig Irrtümer eingerissen werden müssen), einem zuweilen auch Steine in den Weg gelegt werden, von anderen, aber auch von sich selbst, man mit Selbstverständlichkeitsannahmen überschüttet wird, dann kann es etwas dauern die Hindernisse auszuräumen und zum Anfangspunkt zu finden.  Der Mensch ist ein Wesen das sehr unreif zur Welt kommt. Die Fliege wie andere Insekte und Tiere sind rasch einsatzfähig. Der Mensch ist die ersten Jahre vollkommen hilflos seiner Umwelt ausgesetzt. Er befindet sich in Abhängigkeiten.  Die Natur weiß diesen langsamen Anlaufsprozess auszugleichen, in dem sie die Menschen biologisch mit einer längeren Lebensdauer versieht. Die Fliege ist schnell im Dasein einsatzfähig, stirbt dafür aber auch schneller. Der Mensch ist langsamer einsatzfähig, lebt aber auch in der Tendenz länger.  Ich bin mit meinen 30 nicht der schnellste gewesen, aber die Natur zeigt an, dass sich der Mensch ruhig etwas Zeit lassen kann. Leider hat das die Menschenwelt bis heute nicht verstanden.
Heidegger war sein Leben lang bemüht die Frage nach dem Sein zum Thema zu machen. Man könnte das als die Frage nach der Kraft die alles übersteigt auslegen.  Man ist ein Teil dieser Kraft, aber eben nur ein Teil und vielmehr der Teil in dem sich die Wirkung aktualisiert.  Heidegger hat keine Antworten finden können. Doch hier ist tatsächlich die Frage wichtiger als die Antwort. Die Fragestellung nach der Kraft, die alles übersteigt, darf nie aus den Augen verloren werden. Denn diese Fragestellung ermöglicht Besinnung. Man lässt sich nicht mehr so schnell vom Menschenweltstrom und ihrer Zerstreuung mit hinab reißen.  Das keine Antwort vorliegt darf nie dazu führen die Fragestellung aufzugeben. Ich muss nun nicht alle Texte von Heidegger lesen, eben gerade weil er einer Antwort keinen Stück näher kommen kann. Er nur Mensch ist und als Teil das Ganze nicht überschauen kann. So geht es allen. Wenn Zeit da ist, können solche Texte ausgiebig gelesen werden, sozusagen als vertiefte Vergegenwärtigung und Bewusstmachen der Fragestellung. Ist keine Zeit vorhanden begnügt man sich mit der Fragestellung.  Andere Menschen sind genauso orientierungslos, ein Heidegger weiß nicht mehr über das Sein als Du (ich spreche mich hier selber an). Eben nicht viel bis gar nichts.
Georg Simmel nimmt Hans Blumenbergs Fragestellung vorweg, indem er schreibt, dass man Platon und Hegel liest wegen den Problemen die sie bearbeiten und nicht weil sie Hegel oder Platon sind. Hegel und Platon haben über viel geschrieben, was für mich nicht die entscheidenden Themen sind.  Ich muss daher nicht alles von ihnen lesen, wenn überhaupt, nicht jeder Autor bearbeitet das Thema eindringlich und mit der nötigen Tiefe, den beiden genannten will ich ihren Ernst aber nicht absprechen. Es gilt sich an der Fragestellung zu orientieren und danach seine Wissenssuche auszurichten, sich nicht von Vorgaben leiten lassen (»Man muss doch den und den gelesen haben«).

Ich werde mit der Menschenwelt, ja mit dem Dasein an sich nicht warm. Ich werde mich, wenn sich die Möglichkeit ergibt, einzelnen Menschen anschließen, aber niemals der Menschenwelt als Ganzes.  Dem Wahnsinn der Menschenwelt möchte ich mir nicht noch zusätzlich aufladen, auch wenn man ihm kaum entgehen kann, aber ich will mich dafür wenigstens nicht als Vorläufer verantwortlich zeigen.
Der Ernst des Lebens ist nicht die Menschenwelt, sondern anzuerkennen, dass da eine Kraft ist die den einzelnen Menschen übersteigt und das sich daraus Konsequenzen ergeben.  Sicherlich, will man existieren, benötigt man heutzutage (leider?) die Menschenwelt. Aber man darf nie vergessen, wie wenig sie doch ist, wie wenig Bedeutung ihr zu kommt.
Dieser provisorische Zettel ist keine Hinführung zur Gewissheit. Auch hier heißt es die Ungewissheit anzunehmen, versuchen gerade von ihr zu profitieren. Dennoch brauche ich auch eine Idee für die ich leben kann, weil sonst wird das Leben unter den gegebenen Umständen immer schwerer.  Nur kann diese Idee nicht von außen auferlegt werden, diese würde als unorganisch abgestoßen werden, nur die Idee, die aus einem selber heraus wächst, ist eine Idee, die dann auch gelebt werden kann.

Fragezusammenfassungen (der eigentliche Zettel):
Die Frage nach der Kraft, die alles übersteigt.
Was möchte ich eigentlich wissen?
Was für ein Mensch möchte ich sein?
Für welche Idee möchte ich leben?

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Zerstreuung

Dienstag, 1. Mai 2012 13:02

Ich bin mir auch bewusst, dass die Menschen für die ich schreibe gerade über das Internet nicht zu erreichen sind. Denn diese haben sich bereits von der Zerstreuung abgewandt. Im Internet sind in der Mehrzahl jene Menschen anzutreffen die gerade die Zerstreuung suchen, folglich ist es nicht sehr ergiebig meine Worte ins Internet zu stellen.

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Ergänzung

Montag, 30. April 2012 22:50

In einem Text von mir, den ich hier als einen der ersten reingestellt habe, verwies ich auf einen taz-Bericht, den ich mir all die Jahre aufgehoben habe. Ich wollte noch die genauen Angaben hinzufügen. Er wurde am 26.Mai 2004 auf Seite 5 gedruckt. Er hieß “Der junge Mann und das Meer”. Menschen wie Tim (von dem der Artikel handelt) gab und gibt es zu jeder Zeit. Und dennoch beeindruckt es jedesmal auf ein Neues. Einfach, weil es so selten ist, dass Menschen ihre Besitztümer aufgeben, sich nicht an das Leben klammern (aber sicherlich auch nicht freiwillig den Tod suchen).

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Umgekehrter Schritt

Montag, 30. April 2012 21:44

Sokrates wandte sich von der Natur ab und suchte fortan die Weisheit unter den Menschen. Ich möchte den umgekehrten Schritt gehen. Ich war lang genug unter Menschen und weiß die Weisheit ist da nicht zu finden. Aber viel Dummheit. Ich möchte jedoch nicht ungerecht sein. Von manchen habe ich gelernt. Ich habe aber auch von der Natur und anderen Lebewesen gelernt. Die Weisheit bleibt nicht auf Menschen beschränkt. Da ich die Menschenwelt eingehend beobachtet habe und natürlich auch Teilnehmer war, möchte ich nun meinen Blick in eine andere Richtung werfen.
In der Menschenwelt findet sich auch nicht die Kraft, die alles übersteigt, das entscheidende Wissen kann dort also nicht angetroffen werden.

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